Arrivederci verità

23.02.2026

Während die ORF-Kommentatoren Karoline Rath-Zobernig, Karina Toth, Lukas Schweighofer und Bernhard Stöhr die Medaillenbilanz Österreichs abfeiern, als gäbe es kein Morgen oder Gestern, erhellt ein kurzer Blick auf diese "Bilanz" die wahren "Machtverhältnisse"im olympischen Wintersport.

Bei den völlig überbewerteten "Alpinen" liegt die ehemalige "ÖSV-Großmacht" hinter der Schweiz, Italien und den USA nur noch auf Rang 4; beim Skispringen, einer weiteren ÖSV-Prestige-Disziplin, sind die heimischen Adler hinter Norwegen und Slowenien, gemeinsam mit Deutschland, nur noch auf dem 3. Platz gelandet.

Im Biathlon sind wir völlig "leer" ausgegangen; dasselbe gilt für die Langläufer, die vor den "Spielen" heil- wie hilflos überschätzt wurden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Arena_von_Verona#/media/Datei:Arena_Anfiteatro.XE3F1912a.jpg (CC BY-SA 4.0)

"Herausgerissen" haben uns einerseits die Snowboarder (Platz 2 hinter Japan) und andererseits diejenigen Athleten, die im Cortina Sliding Centre performt haben; hinter Deutschland und Italien waren die österreichischen Rodler die drittbeste Nation; im Skeleton sind wir hinter Großbritannien die Nummer 2; dasselbe gilt für die nordischen Kombinierer, die allerdings gegen Norwegen absolut nichts ausrichten konnten.

Österreich, das ist eigentlich das Bitterste, war weder im Eishockey noch im Curling vertreten, in den Shorttrack- und Eisschnelllauf-Bewerben hingegen lediglich mit "Zusehern"; auch in den 4 Bobbewerben haben wir nur das Teilnehmerfeld vervollständigt und im Eiskunstlauf war ebenfalls nichts zu gewinnen; unsere 8 Freestyle Ski-Crosse waren nicht minder erfolglos und eher schon peinlich; und selbst im Skibergsteigen ging es nur bergab.

Warum, könnte man sich fragen, schickt das Österreichische Olympische Comité dann gleich 115 Sportler gen Italien, wohlwissend, dass maximal 20% davon in der Lage sind, Medaillen zu gewinnen?

Insofern ist die "Bilanz" relativ ernüchternd und im Vergleich mit anderen Winterspielen in Wahrheit alles andere als berauschend; beim Vergleich der Bilanzen vergessen die ORF-Kommentatoren bei ihrem Blick durch die rot-weiß-rote Brille immer darauf, dass beispielsweise in Turin 2006 lediglich 84 Bewerbe stattgefunden haben, während es heuer 116 waren, in denen es Medaillen zu gewinnen gegeben hätte; das ist immerhin eine Steigerung um ca. 40%; insofern hätte Österreich heuer, um das Level von 2006 zu erreichen, mehr als 32 Medaillen gewinnen müssen.

Wesentlich erfolgreicher als die Spiele von Turin waren aber unter diesem Gesichtspunkt die olympischen Spiele 1992 in Albertville; dort gab es nur 57 Wettbewerbe, also weniger als die Hälfte(!) von Mailand/Cortina 2026; in Frankreich konnten die ÖsterreicherInnen trotzdem 6x Gold, 7xSilber und 8x Bronze, insgesamt sohin 21 Medaillen gewinnen; das wären hochgerechnet doppelt so viele Medaillen wie heuer.

Insofern sind die heurigen olympischen Winterspiele neben Pyeongchang 2018 und Lillehammer 1994 die erfolglosesten seit dem Debakel von Sarajewo 1984 (0/0/1); ein "Ruhmesblatt" ist das wahrlich nicht; dennoch behauptet der ORF-"Reporter" Oliver Polzer bei der gestrigen Schlussfeier in Verona, es wären für Österreich die vierterfolgreichsten Winterspiele aller Zeiten gewesen; dass Polzer nicht zu den hellsten Kerzen auf der mit rot-weiß-roter Zuckerglasur überzogenen Olympia-Torte zählt ist unbestritten; mit einem Taschenrechner sollte aber selbst er in der Lage sein, 1 und 1 fehlerfrei zusammenzurechnen.

So man die gewonnenen Medaillen mit der Anzahl der jeweils ausgetragenen Wettbewerbe korreliert, waren die olympischen Spiele 1992 in Albertville die mit Abstand erfolgreichsten in den letzten 50 Jahren; noch erfolgreicher war man allerdings 1956; in Cortina d'Ampezzo gab es nur 24 Bewerbe, dafür aber 4 Gold-, 3 Silber- und 4 Bronzemedaillen; im Vergleich dazu hätten wir daher heuer 54 Medaillen gewinnen müssen, um den Erfolgen von Anton Engelbert Sailer & Co gerecht zu werden; in Cortina haben die Österreicher 1956 sogar jede 6. Goldmedaille gewonnen, heuer allerdings nur jede 23.

Das Märchen von den erfolgreichsten Winterspielen in Turin 2006 können die ORF-Moderatoren ihren Kindern oder Enkelkindern erzählen; mit der Wahrheit hat das allerdings, wie bei Märchen üblich, nichts zu tun.

Quelle: https://www.br.de/nachrichten/sport/historisch-kirsty-coventry-zur-ioc-praesidentin-gewaehlt,UfygW06

Turin 2006 mit den heurigen olympischen Spielen zu vergleichen, ohne die Anzahl der Bewerbe zu thematisieren, hieße Äpfel mit Birnen zu vergleichen; beim ORF ist man dazu offensichtlich bereit, jedoch nicht in der Lage, die tatsächlichen Relationen angemessen zu bewerten – man lobt ja viel lieber das miese heurige Ergebnis in den Himmel als sich mit den Ursachen der rot-weiß-roten Olympia-Baustellen zu beschäftigen; niemand will scheinbar wahrhaben, dass wir in der Zeit von Olympiaden nicht besser, sondern seit Nagano 1998 in den Medaillenbilanzen (mit der Ausnahme von Pyeongchang 2018) laufend nur schlechter geworden sind; in Südkorea haben wir aber zumindest ebenfalls 5 Goldmedaillen gewonnen, obwohl es 14 Bewerbe weniger gegeben hat.

Selbst wenn es um die Platzierungen im "Medaillenspiegel" geht, ist der 9. Rang von heuer das viertschlechteste Ergebnis in unserer Winterolympiageschichte nach dem zweiten Weltkrieg; das ist zwar nicht sonderlich erfreulich, aber dennoch nicht anders zu bewerten und die Wahrheit, die wiederum der gesamten ORF-Kommentatoren-Armada und damit selbst einem Oliver Polzer zuzumuten wäre bzw. gut zu Gesicht stünde.

Neben dem ORF betreibt auch das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) Realitätsverweigerung; auf dessen Homepage ist zu lesen: "Das Olympic Team Austria hat bei den XXV. Olympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026 mit 18 Medaillen abgeliefert. Die Ausbeute von fünf Gold-, acht Silber- sowie fünf Bronzemedaillen bedeutet die vierterfolgreichste ÖOC-Bilanz in der Geschichte von Olympischen Winterspielen und nach Abschluss aller Bewerbe Platz neun im Medaillenspiegel"; und dabei handle es sich, ist zu lesen, um "eine Bilanz für die Geschichtsbücher".

Naturgemäß nicht anders sehen das die Verantwortlichen beim ÖSV; auch dort ist zu lesen, es hätte "für Österreich bei Winterspielen bisher nur zweimal" mehr Edelmetall gegeben – "in Turin 2006 holte Österreich 23 Medaillen, 1992 in Albertville insgesamt 21. Mailand Cortina 2026 reiht sich damit bereits jetzt unter den erfolgreichsten Winterspielen aus rot-weiß-roter Sicht ein".

Quelle: https://www.facebook.com/photo/?fbid=907984981740667&set=a.174059088466597

Nun, liebe ÖSV-Verantwortliche: Bronze ist, ob Sie das glauben oder nicht ist ziemlich einerlei, kein Edelmetall; und Mailand Cortina 2026 (116 Bewerbe und 18 Medaillen) war definitiv erfolgloser als die olympischen Winterspiele in den Jahren 1948 (22/8), 1952 (22/8), 1956 (24/11), 1960 (27/6), 1964 (34/12), 1968 (35/11), 1976 (37/6), 1980 (38/7), 1988 (46/10), 1992 (57/21), 1998 (68/17), 2002 (78/17), 2006 (84/23), 2010 (86/17), 2014 (98/17) und 2022 (109/18).

Das realitätsleugnende "Trio Infernal" (ORF, ÖOC, ÖSV) sollte sich, anstatt einer absurden Lobhudelei zu frönen, viel eher mit der Frage beschäftigen, warum wir, auch im Vergleich zu anderen Ländern, sportlich laufend schlechter und nicht besser werden; speziell der ÖSV müsste auch darauf eine Antwort finden, warum das Alter der Athleten seit Jahren den einst erfolgreichen "alpinen Ast", auf dem man zu sitzen gewohnt war, absägen kann; das durchschnittliche Alter der alpinen Medaillen-GewinnerInnen lag 2026 bereits bei nahezu "biblischen" 31,5 Jahren; da jedweder Nachwuchs fehlt muss und kann man nur hoffen, dass Vincent Kriechmayr, Cornelia Hütter und Manuel Feller auch noch 37- bzw. 38-jährig aktiv und in den französischen Alpen am Start sind; denn sonst droht uns 2030 alpin die ultimative Pleite …

Chr. Brugger

23/02/2026