Aus der Geschichte lernen
Wer sich das letzte Vierteljahrhundert der US-amerikanischen Kriegshistorie ansieht, kann angesichts der aktuellen Ereignisse im Iran nur kopfschüttelnd feststellen, dass sich nach den Kriegsverbrechern George W. Busch und Barack Obama der nächste US-Präsident zum "Kriegsherrn" aufschwingt und den Versucht unternimmt, in einem fremden, unabhängigen Land das politische System mit militärischer Gewalt zu ändern.
Nun muss man schon reichlich beschränkt oder entsprechend verkommen sein, um solche Säuberungs- oder Enthauptungsmethoden gut zu heißen und ihnen etwas Positives abgewinnen zu können.

Quelle: https://www.welt.de/politik/ausland/article209629779/Libyen-Die-grosse-Machtlosigkeit-der-EU.html
In Afghanistan, dem Irak, in Libyen und Syrien haben die US-Amerikaner den Beweis dafür erbracht, dass weder ihre militärische Überlegenheit noch ihre sinnbefreiten, terroristischen Luftschläge oder gar US-Bodentruppen in der Lage wären, Regimewechsel auch nur ansatzweise zu realisieren; all diese Kriege waren völkerrechtswidrig, kosteten Millionen Menschen das Leben und haben am Ende nicht zum gewünschten Ziel geführt; dieser schwachsinnigen Einsätze haben in allen Fällen nur bewirkt, dass sog. "Unrechtsregime", oft erst nach jahrelangen Bürgerkriegen, durch noch skrupellosere "Regime" ersetzt wurden; nach dem Abzug haben die US-Amerikaner zerstörte Länder, verwüstete Strukturen, hunderttausende Leichen und ein politische Desaster hinterlassen, Milizen und terroristischen Organisationen den Weg bereitet sowie grenzenlosen Hass, kollektive Traumata und beste Voraussetzungen für Bürgerkriege vermacht; sie waren keine "Friedenapostel", sondern bloß die Geburtshelfer für Diktatoren & autoritäre Militärregime.
Vor allem in Europa verbreitet sich jetzt die Hoffnung, dieses Mal könnte es ganz anders sein und die Enthauptung der iranischen Führungsetage würde dazu führen, der Iran könnte sich selbst, von innen heraus, demokratisieren.
Wer daran glaubt ist reichlich naiv oder dumm genug, sich selbst zu belügen bzw. etwas einzureden, was nicht der Fall sein wird; wenn nun Politiker aller europäischen Länder diesen Unsinn "zum Besten" geben und hoffnungsfroh gen Osten blicken, muss deren Blick schon dermaßen getrübt sein, dass sie ihre Hände vor den eigenen Augen nicht mehr sehen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurdistan#/media/Datei:Kurdish-inhabited_area_by_CIA_(2002).jpg
Wie soll ein Land, das in etwa 4 ½-mal so groß ist wie Deutschland, von innen heraus, sozusagen im Zuge einer Volksrevolution demokratisiert werden? Im Iran lebt eine schier unzählbare Menge an Ethnien, die wiederum politisch wie religiös unterschiedlicher nicht orientiert sein könnten; mehr als 15 Millionen Aserbeidschaner stehen beispielsweise in etwa 5 Millionen Kurden gegenüber, die im Iran ebenso ihre "eigene Suppe" kochen, seit Jahren von einem Großkurdistan träumen und als Rückzugsgebiet Teile das schwer zugänglichen Zagros-Gebirges nutzen, um sich dort, im Grenzbereich hin zum benachbarten Iran, zu verstecken bzw. mit den irakischen Kurden zu kollaborieren; auf der anderen Seite der Grenze liegt, auf irakischem Gebiet, die Autonome Region Kurdistan; dabei handelt es sich um ein Staatsgebilde, das sich de-facto im Besitz der Familien Talabani & Barzini befindet und unter türkischem Einfluss steht – gleichsam ein Mini-Dubai im Irak ist dort im Entstehen begriffen, eine Freihandelszone im Grenzbereich zwischen dem Irak, dem Iran, der Türkei und Syrien.
Sowohl die Kurden als auch die Aserbeidschaner sind dem Rest der Iraner seit Jahrzehnten ein "Dorn im Auge"; die Belutschen wiederum, die im Südosten des Landes, hin zu Afghanistan und Pakistan siedeln, werden seit Jahren ob des Belutschistan-Konflikts überproportional hingerichtet.
Nicht minder "problematisch" sind die ca. 500.000 Tadschiken im Grenzbereich hin zu Afghanistan, die sich im Einflussbereich des theokratischen Emirates in Kabul befinden; eine Kategorie ganz eigener Art ist wiederum die "Organisation der Volksmudschahedin", wenn man so will, der größten Oppositionspartei im Iran, deren Präsidentin, Maryam Rajavi allerdings im Pariser Exil lebt; der "Rest" dieser Organisation lebt heute, beschützt von den USA, in Albanien.
Unabhängig davon ist der Rückhalt für das theokratische System im Iran nach wie vor und speziell in den religiös geprägten ländlichen Räumen enorm; und jetzt soll plötzlich jemand, dessen Namen noch niemand kennt, heterogene Ethnien einen, ein zutiefst muslimisch geprägtes Land demokratisieren und in Teheran eine Regierung installieren, die von den ca. 90 Millionen Iranern vorbehalts- und widerstandslos akzeptiert wird?

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_Accords_Declaration#/media/Datei:Abraham_Accords_Declaration.jpg
Die "Operation Epic Fury" Trumps ist nur darauf gerichtet, im Iran eine neue politische Führung zu installieren, die bereit ist, mit ihm in allen denkbaren wirtschaftlichen Belangen zusammenzuarbeiten und das Existenzrecht Israels zumindest, im Sinne der "Abraham Accords Declaration", nicht länger in Frage zu stellen; das Schicksal der iranischen Zivilbevölkerung, vor allem aber der Frauen und Kinder, ist dem US-amerikanischen Imperialisten dabei völlig einerlei.
Mit dieser Invasion geht, sozusagen als "Effet secondaire", eine Schwächung des größten amerikanischen Rivalen einher; denn nahezu 90% des im Iran geförderten Erdöls wird derzeit von den Chinesen gekauft, deren Wirtschaft auch ob dessen wie "geschmiert" läuft; mit entsprechendem Einfluss im Iran hat Trump auch die Möglichkeit, das "Nadelöhr" der arabischen Öl- und Erdgas-Lieferkette, die Straße von Hormus, für geostrategische Zwecke zu nutzen und mit Abhängigkeiten ganz gezielt für entsprechende "Deals" zu sorgen; die Welt, vor allem aber Europa, sieht Trump bei dessen offensichtlichen Machtspielen tatenlos zu und freut sich sogar noch über die "positiven Entwicklungen" im Nahen und Mittleren Osten bzw. unterliegt auch dem fatalen Irrtum, aus einer islamistischen Theokratie würde in Bälde eine westlich geprägte "Demokratie".

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Arabischer_Frühling#/media/Datei:USS_Barry_(DDG-52)_launching_a_Tomahawk_missile_in_support_of_Operation_Odyssey_Dawn.jpg
Die Unionseuropäer träumen scheinbar schon vom nächsten "arabischen Frühling" und vergessen im Überschwang ihrer Dämlichkeit darauf, was sich vor ca. 15 Jahren in Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, dem Iran, Jemen, Syrien, Libyen, Oman, Jemen, Sudan und andernorts ereignet hat und was am Ende dabei herausgekommen ist.
Wer aus der Geschichte nichts lernt, den wird sie bestrafen – die Dümmsten ganz sicher zuerst …
Chr. Brugger
02/03/2026
