Das „Phänomen“ René Benko

16.10.2025

Was René Benko im Rahmen der von ihm orchestrierten Signa-Pleite zustande gebracht hat, ist ebenso einzigartig, wie aller Ehren wert; was dem 48-jährigen Tiroler da gelungen ist, nötigt einem durchaus Respekt ab; nicht nur vor den Augen der heimischen Öffentlichkeit konnte Benko, natürlich völlig legal, ein Firmenkonglomerat entstehen lassen, das in seiner Dimension kaum noch zu übertreffen sein sollte; es soll in seinem Einflussbereich mehr als 1.000 Firmen geben, die miteinander dermaßen verwoben sind, dass selbst den "Experten" der Durchblick fehlt.

Quelle: https://www.oe24.at/oesterreich/politik/drei-kanzler-bei-benko-fest/405808987

Österreich wäre aber natürlich nicht länger Österreich, würde man hinter René Benko nicht den Alleinverantwortlichen "Drahtzieher" vermuten, dem es mit seinem zweifelsfrei vorhandenen "Geschick" gelungen ist, vermutlich die größte wirtschaftliche Pleite der Nachkriegszeit zu bewerkstelligen.

Der Selfmade-Immobilientycoon wurde zum "Milliardenbankrotteur", das "Genie" ist gleichsam Opfer seines eigenen "Wahnsinns" geworden; und viele haben es, auch das ist in Österreich durchaus üblich, schon vorher bzw. immer gewusst; der "Täter" ist rasch ausgemacht, der "Schuldige" gefunden; konsequent werden Konsequenzen gefordert; es interessiert sich aber niemand dafür, wie es zur "Katastrophe" kommen konnte.

Quelle: https://kurier.at/stars/austropromis/bierlein-kurz-und-co-beim-toerggelen-von-rene-benko/400674704

Es reicht vollkommen aus, dass sich der "Hochstapler" seit Monaten in einer Gefängniszelle aufhalten muss und dessen "luxusaffines" Gehabe ungeniert angeprangert werden kann; von "Hybris" und "Narzissmus" ist zu lesen, "Gier fräße Hirn" oder davon, dass Benkos "Fall" bezeichnend dafür wäre, "was passiert, wenn Superreiche die Spielregeln machen und nicht die Politik" – der letzte "Kommentar" stammt übrigens von einem, der es wissen muss: Andi Babler (@andibabler.at) 15. Oktober 2025 um 15:20.

Quelle: https://www.oe24.at/oesterreich/politik/drei-kanzler-bei-benko-fest/405808987

Diese recht eindimensionale Sichtweise wird "der ganzen Sache" keinesfalls gerecht; Tatsache ist jedenfalls, dass die Firmenkonstruktion des René Benko zweifelsfrei völlig rechtskonform zustande gekommen ist; es ist weder verboten, tausende Firmen zu gründen noch diese gesellschaftsrechtlich so miteinander zu verknüpfen, dass im Rahmen ihrer jeweiligen Interaktionen der Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen ist; und wer sich das österreichische Privatstiftungsrecht zunutze macht, ist weder kriminell noch a priori ein Verbrecher.

Quelle: https://www.heute.at/g/party-koenig-rene-benko-alle-feierten-mit-ihm-120013517

Was also soll die ganze politische & mediale Aufregung? Die Höhe des allenfalls von Benko angerichteten Schadens wird sich auf das jeweilige Ausmaß seiner Strafen in diversen Strafprozessen auswirken und rein zivilrechtlich wird von ihm persönlich kaum etwas zu holen sein; Faktum ist aber, dass die "Spielregeln" selbst für "Superreiche" von Politikern beschlossen werden.

Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000091452401/benkos-netzwerk-abend-ohne-dichands

Wer sich in einem Rechtsstaat nicht an diese "Spielregeln" hält, muss damit rechnen, vor Gericht "spielregelkonform" behandelt zu werden – und dabei müsste es egal sein, wer vor den jeweils zuständigen "Hütern der Gesetze" auftritt.

Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000091452401/benkos-netzwerk-abend-ohne-dichands

Nun, sozusagen post-Signa, wollen politische wie mediale Kleingeister die Ursachen für "Benkos Flächenbrand" im österreichischen Rechts- und Vetternwirtschaftssystem finden; auch dieses Ansinnen ist typisch bzw. bei uns heimisch; es kann zwar nicht geleugnet werden, dass für den Aufstieg Benkos willfährige Handlanger wie Sebastian Kurz, Alfred Gusenbauer oder sonstige "Geistesgrößen" aus Politik & Wirtschaft verantwortlich waren; seinen kometenhafte Aufstieg verdankt der "Tiroler Wunderwuzzi" aber etwas ganz anderem: Wer über Jahrzehnte rund um die Uhr" arbeiten kann, 24/7/365 verfüg- und erreichbar ist, durchgehend davon getrieben wird, für "Größeres" geschaffen zu sein und davon nicht nur selbst überzeugt ist, sondern auch alle anderen in seinem Umfeld für seine Vorhaben begeistert und restlos vereinnahmt, leidet schlichtweg an einer bipolaren Störung, bei der die (hypo-) manischen Episoden ihren depressiven "Anteil" andauernd überwiegen.

Quelle: https://www.oe24.at/oesterreich/politik/drei-kanzler-bei-benko-fest/405808987

Diese "Diagnose" ist zwar ebenso unspektakulär wie medial & politisch nicht verwertbar; sie erklärt aber das "Phänomen Benko" und wirft die Frage auf, inwiefern Benko für sein "Handeln" überhaupt verantwortlich sein kann; darüber sollte man beizeiten einmal nachdenken; im Lichte einer solchen Betrachtung erschienen die Beiträge all jener sinnlos, die im Nachhinein vorgeben, es schon längst gewusst zu haben und ob dessen nichts unversucht lassen, den durchaus charismatischen Tiroler als präpotenten Hochstapler und ehrlosen Narzissten anzuprangern.

Quelle: https://www.heute.at/g/party-koenig-rene-benko-alle-feierten-mit-ihm-120013517

Tatsache ist aber leider auch, dass zahllose Politiker & "Wirtschaftsbosse" dem "Glanz & Charisma" des Immobilien-Kaisers erlegen sind; selbst beim berühmt-berüchtigten Signa-"Törggelen" hat man ihnen nicht angemerkt, dass beim kostenlosen Verzehr von deftigen Speisen sowie Traubenmost und Trester etwas anrüchig sein soll oder könnte; nach dem "Sturz des Kaisers" wollen diejenigen, die sich von Benko medienwirksam verköstigen ließen, von eben diesem nichts mehr wissen und ihn nicht kennen; auch das ist symptomatisch für die heuchlerische Verlogenheit der heimischen "Spitzenpolitiker" bzw. "Manager".

Chr. Brugger

16/10/2025