ÖSV - Der Tag danach

23.02.2026

Beim ÖSV dürfte die Behandlung der posttraumatischen Erfahrungsstörungen bei den vergangenen olympischen Spielen ab heute vor allem bei den Alpinen an der obersten Stelle stehen; dazu haben im Speed-Bereich sowohl die Damen im andorranischen Soldeu als auch die Herren in Garmisch-Partenkirchen (BRD) Gelegenheit.

Wenn es allerdings nach den Ergebnissen der bisher einzigen beiden Speed-Rennen im pyrenäischen Fürstentum Andorra geht, dürften die Erwartungen der heimischen Damen nicht allzu groß sein; in der Abfahrt kam Mirjam Pucher auf Rang 5; im Super-G war Cornelia Hütter als 6. unsere Beste.

Für den Gesamtweltcup ist dieses Rennen, was die Österreicherinnen betrifft, völlig bedeutungslos; sie liegen dort dermaßen weit bzw. abgeschlagen zurück, dass es für einen der ersten drei Plätze nicht mehr reichen kann.

Interessanter sollte es allerdings, vor allem für Cornelia Hütter, in den beiden Disziplinen-Wertungen werden; nach dem Ausfall von Lindsey Vonn könnte die Steirerin die 221-Punkte-Lücke zur US-Amerikanerin mit hervorragenden Ergebnissen in den letzten 3 Rennen noch schließen; aber auch im Super-G ist noch nicht "aller Tage Abend"; 157 Punkte wären in drei Rennen gegen Sofia Goggia durchaus aufzuholen.

Quelle: https://comitati.fisi.org/veneto/blog/2020/05/14/giovanni-franzoni-guarda-al-futuro-e-si-affida-a-fa-consulting/

Nicht anders ist die Situation bei den "Herren der Schöpfung"; in der Weltcup-Gesamtwertung ist die "Messe" längst gelesen; im Abfahrtsweltcup sind die Österreicher völlig chancenlos; selbst wenn Vincent Kriechmayr alle 3 noch ausstehenden Rennen gewinnen und Marco Odermatt seine Saison vorzeitig beenden würde, ist Rang 1 nicht mehr zu erreichen; der Vorsprung beträgt bereits jetzt 328 Punkte.

Besser sieht es im Super-G aus; dort liegt Kriechmayr vor den letzten 3 Rennen "nur" 158 Punkte hinter dem Schweizer; rein theoretisch hätten sogar auch noch Stefan Babinsky & Raphael Haaser die Möglichkeit, Odermatts 4. Sieg im Super-G-Weltcup zu verhindern; denkbar wäre es, realistisch allerdings nicht; denn niemand wird unter "normalen" Bedingungen in der Lage sein, 3 x jeweils mehr als 50 Punkte zu machen als Odermatt selbst.

Insofern fahren Österreichs Alpine am kommenden Wochenende faktisch nur noch um "die goldene Ananas" bzw. das ausgelobte Preisgeld und die Prämien in ihren jeweiligen Sponsor-Verträgen.

Etwas anders sehen das Ganze nur noch die unverbesserlichen Optimisten im ÖSV; der ÖSV-Alpinchef Christian Mitter meint, "wir sind noch voll im Fight um den Nationencup"; und Damen-Cheftrainer Roland Assinger verrät gar sein "geheimes" Ziel: er will mit "seinen" Damen zumindest noch jene 577 Punkte aufholen, die Österreich hinter den US-Amerikanerinnen liegt.

Bei aller "Wertschätzung": Dass Österreichs Herren gegenüber der Schweiz auch nur einen einzigen Punkt aufholen, ist völlig ausgeschlossen; es wird vermutlich sogar einen Grund dafür geben, warum wir schon jetzt mehr als 1000 Punkte hinter den Eidgenossen "herumgurken"; und das, was die Herren gegenüber den Schweizern mit Sicherheit noch verlieren werden, können die heimischen Damen gegen Camille Rast & Co niemals aufholen.

Dass Österreichs Damen die 577 Punkte-Lücke zu den USA füllen wollen, ist das eine; die entscheidende Frage ist aber, ob sie das auch können; und auf diese Frage fällt die Antwort leicht – es ist schlicht unmöglich.

Am Ende der heurigen Saison werden wir alle froh sein, wenn es Julia Scheib tatsächlich gelingt die "kleine Kristallkugel" im Riesentorlauf zu gewinnen; mehr ist einfach nicht "drinnen", für mehr sind Österreichs Alpine, man muss das so sagen, in allen anderen Disziplinen einfach zu schwach.

Quelle: https://sport.ch/deutscher-skiverband/1500271/deutsche-olympia-medaillenhoffnung-teilt-eindruecke-aus-der-off-season

Beim ÖSV hat man in den letzten Jahren völlig ignoriert, dass die erfolgreichen AthletInnen nicht jünger, sondern tendenziell, welch Überraschung, sogar älter geworden sind und im Nachwuchs eine absolute Flaute herrscht; es genügte ein Blick in die Ergebnislisten der Junioren-Weltmeisterschaften der letzten 10 Jahre, um mühelos feststellen zu können, dass es außer Katharina Liensberger, Julia Scheib und Marco Schwarz niemand bis ganz nach oben geschafft bzw. zu mehr als 3 Weltcupsiegen gebracht hat; der Rest fährt mehr oder weniger im Niemandsland der alpinen Weltgeschichte herum.

2 Beispiele: Lukas Feuerstein hat sich im bulgarischen Bansko 2021 mit einem Italiener namens Giovanni Franzoni "duelliert"; der eine ist mittlerweile ein Star, der andere skifahrerisch ein Niemand; dasselbe gilt für das "Duell" zwischen Magdalena Egger und Emma Aicher 2022 im kanadischen Panorama Mountain Village; Aicher ist mittlerweile ebenfalls ein "Größe", die 6-fache Juniorenweltmeisterin Egger hingegen eine "Randerscheinung" ohne sportliche Zukunft.

Mitter, Assinger & Co haben aber scheinbar nichts anderes zu tun, als sich über etwas Gedanken zu machen, was bereits heute feststeht und woran sie nichts mehr ändern können: Wir werden gegen die Schweiz in der Nationenwertung haushoch unterliegen und auch dem US-Team der Damen am Ende nur zu dessen Erfolg gratulieren dürfen.

Chr. Brugger

23/02/2026