Diskriminierung à la carte
Linguistische Feinspitze haben schon vor Jahren dafür gesorgt, dass jahrhundertelang übliche "Bezeichnungen" die Speisekarten verlassen mussten; so kann man längst kein "Zigeunerschnitzel" oder einen "Mohr im Hemd" mehr bestellen; "Negerküsse" sind ebenso "out", den guten alten "Uncle Ben´s Reis" gibt es auch nicht mehr, bei der "Pizza-Hawaii" wird allerdings immer noch überlegt.
"Matrosenfleisch" ist allerdings, wie ein "Jägerschnitzel", immer noch bestellbar und erhältlich; dem "Jungfernbraten" wiederum könnte es in Bälde an den sprichwörtlichen Kragen gehen; das gilt dann vermutlich auch für einen "Lenden-Braten", die "Kärntner Nudel", "Wiener bzw. Debreziner Würstl" oder den "Tiroler Schlutzkrapfen", die "Esterházy-Schnitte", die "Malakoff-Torte", den deftigen "Bauernschmaus", die "Wiener Wäscher-Mädeln", "Maurer- bzw. "Beamtenforellen" oder eine "Ochsenschwanzsuppe" – und auch für die "Kardinalschnitte" sowie das "Salzburger Nockerl" wird es verdammt eng; wer dazu auch noch einen "Kapuziner" (Mokka mit ein paar Tropfen Schlagobers) konsumieren will, wird bald etwas anderes ordern müssen.

Quelle: https://www.tonikaiser.at/produkte/palatschinken
In den letzten Tagen sind nämlich wieder einmal Diskussionen darüber entflammt, ob Bezeichnungen von irgendwelchen "handelsüblichen" Produkten diskriminierend oder sexistisch sind bzw. sein dürfen; was die einen "Political Correctness" nennen, bezeichnen andere als "woken Schwachsinn" – mich persönlich erheitern solche Debatten immer noch; während selbst Kindergartenkinder auf ihren Smartphones Porno-Videos kostenlos & zugangsfrei konsumieren und sich damit ihren tristen Alltag "versüßen" dürfen, echauffiert sich so manch vermeintlich "Erwachsener" über sexistische oder diskriminierenden "Produktbezeichnungen".
"Schwedenbomben" könnte man daher, wie den "Türkensterz", die "Marokkaner-Torte" oder die "Mohn-Golatsche", bald nur noch vom Hörensagen kennen; warum das Eskimo-Eis immer noch geschleckt werden kann, ist mehr als bloß irritierend; wer sich mit einer "heißen Oma" oder "heißen Witwe" einen "Damen-Spitz" zulegen will, wird künftig allenfalls "umsatteln" müssen; eine "Bloody Mary" sollte es zu diesem Zweck jedenfalls nicht mehr geben, keinen "Alligator Piss", keinen "BJ" ("Blow Job") und schon gar keinen "Orgasmus #2" bei "Sex on the Beach" oder einen "Screaming Orgasm" mit "Angel Tits" samt "Slippery Nipple"; sogar um den weißen oder roten "Spritzer" wird es verdammt ruhig werden – all das ist dem Vernehmen nach ja viel zu sexistisch.
Wer sich am Morgen zum Frühstück eine "Eierspeise" anrührt, muss sich in Zukunft zumindest schämen und bei "Eiern im Glas" erröten; wem es zu Mittag nach "lauwarmen Königsberger Klopsen" ist, nach einem "scharfem Huhn", "griechischem Nudelsalat", einer "Hühnerbrust" oder gar einem "Club Sandwich", der sollte Vorsicht walten lassen und beim Dessert aufpassen, sofern jemand gar noch an "gebackene Bananen mit Honig", "warmen Schokoladepudding" oder "Palatschinken" denkt; denn, der wahre, aufgeklärte und woke Gourmet sollte schon wissen, dass der gute alte Pfannkuchen seinen Namen einzig dem lateinischen "placenta" verdankt.
Guten Appetit!
Chr. Brugger
04/02/2026
