Donald Trump auf „Shopping-Tour“
Spätestens seit dem Angriff auf den souveränen Staat Venezuela am 03. Jänner 2026 muss man ernst nehmen, was der US-amerikanische Präsident so alles von sich gibt und ankündigt; er ist scheinbar im Rahmen einer post-weihnachtlichen "Shopping-Tour" gerade im Begriff, sich nach Venezuela auch noch Kolumbien, Kuba, Nicaragua, Mexiko und "im Vorbeigehen" dazu noch Grönland zu "kaufen"; Trump verwendet für die Zahlung seiner "Präsente" aber, im Unterschied zum herkömmlichen Konsumenten, keine Kredit-Karten, sondern Waffen aller Art; manchmal greift Trump auch zu alternativen "Zahlungsmitteln" wie Erpressung, Drohung oder Raub; insofern ist es folgerichtig, dass seine Kritiker ihm Mafia-Methoden vorwerfen.
Diese Vorgangsweise ruft vor allem die "Anwälte" des Völkerrechts auf den Plan, die, wenn man so möchte, stolzen Verfechter einer "regelbasierten internationalen Ordnung"; vor allem aus Europa sind Stimmen zu vernehmen, die die Einhaltung des Völkerrechts einfordern, um "die völkerrechtlichen Selbstverständlichkeiten der UN-Ära als Gebote der Weltvernunft im öffentlichen Bewusstsein wachzuhalten".
Die geostrategisch-imperialistischen Ambitionen Trumps sind allerdings mit einer bloß europäisch gedachten "Weltvernunft" nicht in Einklang zu bringen; insofern dürfte Gustave Le Bon vor allem mit einem Satz in seinem Werk "Die Welt aus dem Gleichgewicht" Recht haben: "Damals wie heute, morgen und übermorgen bleibt das einzige moralische Gesetz, das die Beziehungen zwischen den Nationen regelt, das des Stärkeren" – nach Le Bon gibt es aber ohnedies keine Spur "von internationaler politischer Moral".
Geradezu naiv bzw. absurd muten die Aussagen von ÖsterreicherInnen an, die für sich nur allzu gerne einen außenpolitischen Einfluss beanspruchen würden: Bundespräsident Van der Bellen sieht uns "in der Realität einer neuen Weltordnung" angekommen und meint gar, "wir, also Österreich und die Europäische Union müssen nun alles Mögliche tun, um internationale Beziehungen auf Basis des Völkerrechts und der Prinzipien der UNO-Charta einzufordern".
Bei der prinzipiell für "äußere Angelegenheiten" zuständigen Ministrantin Beate Meinl-Reisinger ist hingegen "entscheidend, eine weitere Eskalation zu verhindern und das Völkerrecht zu wahren. Österreich wird sich gemeinsam mit seinen EU-Partnern weiterhin für eine friedliche, demokratische Lösung in Venezuela auf Grundlage der Charta der Vereinten Nationen einsetzen" – eine Antwort auf die Frage, wie das "Ganze" funktionieren soll bzw. welche Mittel & Methoden man hier anwenden möchte, bliebt Fr. Meinl-Reisinger schuldig; es wäre interessant zu wissen, wie man sich "weiterhin für eine friedliche, demokratische Lösung in Venezuela" einzusetzen gedenkt und was dazu der Beitrag Österreichs in den letzten 25 Jahren gewesen sein soll?
Auf Grundlage real vorhandener Machtverhältnisse auf der internationalen Bühne muten den Aussagen unserer "Politmarionetten" nicht nur absurd, sondern geradezu grotesk an; Tatsache ist, das wird niemand in Abrede stellen können, nun einmal, dass Europa (ohne Russland) der militärischen Macht der USA seit Jahrzehnten auf Gedeih & Verderb ausgeliefert und nicht in der Lage ist, seine gemeinsamen Interessen, so es solche überhaupt gibt, zu verteidigen oder gar durchzusetzen.
Wenn Europa also einerseits die USA "hofieren" muss, um deren schützender Hand nicht verlustig zu werden, wird man auf der anderen Seite Trump kaum dafür verurteilen oder davon abhalten können, dass der sich im Karibischen Meer und im Golf von Mexiko aufführt, wie die sprichwörtliche "Axt im Wald".
Die europäischen "Ambitionen" gelten ausschließlich der Ukraine bzw. einer möglichst raschen Beendigung des dort seit ca. 4 Jahren schwelenden Krieges; was im Rest der Welt passiert, muss den Europäern notgedrungen einerlei sein; von der Leyen, Macron, Merz & Co sind ja aus Eigenem nicht einmal in der Lage, die Ukraine ohne US-Hilfe hinreichend zu unterstützen, um einen russischen Sieg verhindern zu können; zudem ist Europa rein militärisch wegen seiner offensichtlichen Verteidigungsunfähigkeit der NATO und damit den USA ausgeliefert – Trump wird sich also hüten, Grönland militärisch zu annektieren, weil das vermutlich das Ende des nordatlantischen Paktes bedeutete und ihm damit sein wichtigstes Druckmittel gegenüber Europa abhandenkäme.
Grönland muss Trump aber weder kaufen noch erobern; die Europäer werden es ihm auf einem "goldenen Teller" servieren und darum bitten, dass er es unter seine "Fittiche" nimmt; selbst die dümmsten europäischen Politiker wissen, dass sie einen Krieg um Grönland militärisch nicht gewinnen könnten; auch in Grönland geht es Trump nicht um Erdöl oder sonstige Ressourcen, sondern einzig darum, die geostrategischen "Avancen" Chinas und Russlands zu torpedieren.
Als "Pate" für Grönland wird aber den, vom gleißenden Licht der Arktis bereits völlig verblendeten, Europäern Trump noch immer lieber sein als jeder andere Mafia-Boss; Grönland, das flächenmäßig in etwa so groß ist wie Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Deutschland und Polen gemeinsam, hat für Trump nur militärstrategische Bedeutung; es wird ihm daher, so er das will, auch gelingen, Grönland seiner "westlichen Hemisphäre" einzuverleiben – die Europäer leben insofern noch im voraristotelischen Zeitalter, in dem vermeint wurde, die Erde sei keine Kugel, sondern ein Scheibe; Europa zählt sich zum "Westen", wohingegen Trumps "Westen" ein völlig anderer ist; für Trump liegt Europa zweifelsfrei im "Osten"; der von Paul Wolfowitz und Zbigniew Brzeziński adaptierten Monroe-Doktrin aus dem Jahr 1823 hat Trump insofern einen anderen Bedeutungsgehalt gegeben, als er ganz einfach ein neues Kapitel hinzugefügt und sie solcherart zur "Donroe-Doktrin" erhoben hat.
Trump hat bei der "Gliederung der Erdoberfläche" schlicht und ergreifend eine Änderung vorgenommen und Präsident Monroes imperialistisch durchtränktes Gedankengut um Grönland erweitert – und auch hier stoßen Europas "stolze Verfechter einer regelbasierten internationalen Weltordnung" an ihre ohnedies recht bescheidenen Grenzen – was tun, um den US-Paten nicht zu vergrämen?
Guter Rat ist teuer – bloß, Geld könnte man leihen, den nötigen Verstand aber nicht; insofern ist das europäische Dilemma evident: Europa (ohne Russland) ist gegenwärtig nicht stark genug, um ohne Allianzen zu überleben – mit wem also sollte man sich verbünden, wenn uns "der Feind im eigenen Bett", dem wir ohnedies nicht hörig genug sein können, auch noch laufend schändet, betrügt oder von der Bettkante stößt?
Gustave Le Bon ("Die Welt aus dem Gleichgewicht") schreibt dazu nur Folgendes: "Dies ist ein ähnliches Problem wie das Rätsel der Sphinx, das unter Todesstrafe gelöst werden musste. Davon hängt unsere Zukunft ab" – und damit stehen wir vor der Frage, ob es in "unserem" Europa jemanden gibt, der dieses Rätsel lösen kann; wir sollten uns daher auf die Suche nach einem "modernen" Ödipus begeben, der, wie bekannt sein dürfte, in der griechischen Mythologie als Einziger in der Lage war, das Rätsel zu lösen – wenn wir aber jene das "Rätsel der Sphinx" lösen lassen, die sich am gestrigen Tag in Paris eingefunden haben, werden wir recht bald "das Zeitliche" segnen.
Chr. Brugger
07/01/2026
