Handeln, anstatt nur zu benennen

28.02.2026

Was haben wir in den letzten Jahren von Europa, respektive der EU, nicht schon alles an "Benennungen" gehört; täglich soll man, wenn es nach den Ukraine-Verstehern oder Selenskyj-Trollen geht, die im Namen Russlands begangen Kriegsverbrechen benennen – man muss immer alles nur benennen; nun, benannt hat man schon viel; die Massaker von Butscha, die Entführung von ukrainischen Kindern, die Vergewaltigung ukrainischer Frauen, die absichtliche Zerstörung der Infrastruktur und so weiter und so fort.

Ja, man kann das alles gebetsmühlenartig benennen; allein, was hilft es, alles immer nur zu benennen und keine Antwort auf die Frage zu haben, was mit dem Benannten und Bekannten zu tun wäre, außer es schon wieder nur zu benennen?

Quelle: https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/politik/ukraine-krieg-russland-putin-selenskyj-trump-gebietstausch-100.html

Vor allem europäische Politiker sind immer an vorderster Front zu finden, wenn es darum geht, einen perfiden Krieg moralisch zu bewerten und an regelbasierten Systemen zu messen; allein, Kriege sind leider, das war, was es allerdings nicht besser macht, seit es sie gibt, mit herkömmlichen Maßstäben weder zu bewerten noch zu beenden.

Jeder zu vernünftigem Denken befähigte Mensch weiß seit Jahr und Tag, dass die russische Föderation diesen Krieg begonnen und die ukrainische Bevölkerung darunter zu leiden hat; wie sinnbefreit sind, ob dessen, all jene politischen Statements, die man speziell von diversen EU-Abgeordneten seit 4 Jahren zu hören bekommt?

Man wird vermutlich nicht deshalb ins EU-Parlament gewählt, um, frei nach dem Motto, "täglich grüßt das Murmeltier", das zu wiederholen, was ohnedies jeder weiß oder wissen müsste; wäre es nicht viel eher die Aufgabe dieser selbsternannten "Aggressoren-Täufer", Lösungen dafür zu präsentieren, wie der Krieg in der Ukraine zeitnah zu beenden wäre.

So ziemlich die dümmste Antwort, die man zu hören bekommt ist jene, dass Putin den Krieg sofort und unvermittelt beenden könnte und er es in der Hand hätte, seine Truppen aus den besetzten ukrainischen Gebieten auf russisches Staatsgebiet zurückzubeordern.

Quelle: https://www.coe.int/de/web/portal/-/1000th-day-of-the-russian-war-of-aggression-against-ukraine-declaration-by-the-committee-of-ministers

Das ist die Antwort der gänzlich Naiven, jener also, die scheinbar noch immer nicht verstanden haben, dass Eroberungskriege in der gesamten Menschheitsgeschichte nur auf zwei Arten beendet wurden: Entweder mit der Kapitulation einer der beiden Kriegsparteien oder Verträgen, die das Kräfteverhältnis im Zeitpunkt der Vertragsunterfertigung abbilden.

Freiwillig hat sich jedenfalls noch nie jemand dazu entschieden, von seinem Ansinnen, so brutal, widerwärtig und abscheulich es sein mag, Abstand zu nehmen.

Nach 4 Jahren Krieg sollte man schön langsam auf die Idee kommen, nicht weiterhin das ohnedies Evidenzbasierte zu bemühen und endlich vom "Benenn-Modus" ins "Handeln" zu kommen; das, was z.B. auf dem Instagram-Account des EU-Abgeordneten Helmut Brandstätter zu lesen oder zu hören ist, interessiert, der Ausdruck sei mir bitte verziehen, "kein Schwein" und vermutlich nicht einmal seine 8.654(!) Follower; was soll es bringen, Putin täglich als Diktator, Kriegsverbrecher oder Massenmörder zu bezeichnen, Musk als Idioten, Trump als Trottel oder Witkoff als völlig Ahnungslosen?

Ja, das mag so sein oder auch nicht – allein, es bringt absolut nichts; es stirbt kein Ukrainer weniger, es lässt keine Drohne weniger aufsteigen und keine einzige Rakete verlässt deshalb nicht ihre Abschussbasis.

Brandstätter & Co können noch hundertmal in die Ukraine reisen und, sobald sie wieder zurück sind, das unglaubliche Leid der UkrainerInnen beklagen – deshalb endet der Krieg nicht und auch für die Betroffenen ist nichts gewonnen.

Die selbsternannten Kriegsgräuel-Benennenden erreichen genau das Gegenteil; wenn laufend nur benannt und nie gehandelt wird, schwindet das ohnedies kaum noch vorhandene Vertrauen in die politische "Kaste", die den Eindruck vermittelt, sie stünde dem Krieg in der Ukraine hilflos gegenüber.

Vor vier Jahren mussten sich die Europäer von "ihren" Politikern sagen lassen, man könne den Krieg mit wirtschaftlichen Sanktionen beenden; selbst nach 19 Sanktionspaketen dauert der Krieg weiter an; ein baldiges Ende ist weit und breit nicht in Sicht.

Nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA haben die europäischen Politiker plötzlich bemerkt, dass sie ohne Hilfe der USA nicht einmal ansatzweise in der Lage wären, Europa gegen Russland zu verteidigen; reflex- wie panikartig hat man sich der Aufrüstung Europas verschrieben, fordert eine EU-Armee und hegt plötzlich massive Zweifel daran, ob die NATO, was jahrzehntelang der Fall gewesen sein dürfte, tatsächlich Schutz bietet; davon aber, dass Europa und damit vor allem die EU militärisch jahrzehntelang im Weltgeschehen bloß als "blinder Passagier" und Trittbrettfahrer unterwegs war, sind von der Leyen, Merz, Macron & Co überrascht.

Jetzt hat man das "Problem" gleich in mehrfacher Hinsicht: Maga-Trump "nötigt" unsere naiv-dekadenten politischen Friedensapostel dazu, sich für Billionen Euro selbst aufzurüsten und just jene US-amerikanischen Waffen, die die Ukraine für ihre Verteidigung benötigt, zu bezahlen; dazu hat sich die EU verpflichtet, Erdöl und Ergas langfristig für hunderte Milliarden Euro in den USA zu kaufen bzw. von dort zu beziehen.

Quelle: https://www.kyivpost.com/post/70928

Auch die finanzielle Unterstützung der ukrainischen Administration hat allein die EU zu übernehmen; das gilt gleichermaßen für die Versorgung der Bevölkerung in und außerhalb der Ukraine – wenn es sohin um Zahlungen an und für die Ukraine geht, sind die Unionseuropäer völlig skrupellos; hunderte Milliarden, mit denen man den ganzen eigenen Kontinent verschuldet, spielen scheinbar keine Rolle, die Meinung der Bevölkerung interessiert niemanden und man frönt der völlig idiotischen Annahme, in die Ukraine würden sowohl europäische Werte vertreten als auch die gesamteuropäische Sicherheit verteidigt.

Sobald es allerdings um einen "Frieden" zwischen Russland und der Ukraine geht, ist von Europa und der EU nicht viel zu sehen; bisher hat man, von Brüssel ausgehend, scheinbar die These vertreten, Russland mit Sanktionen "besiegen" oder gar zum Einlenken bewegen zu können; diese "grenzgeniale" Taktik hat Europa mehr geschadet als Russland.

Mit dem kriegsverbrechenden Massenmörder Putin will oder kann man nicht reden; das verbietet scheinbar die woke europäische Haltung, sich nicht mit solchen Neo-Kolonialisten an einen Tisch zu setzten; vor ein paar wenigen Jahrhunderten allerdings, als es um die "Einverleibung" bzw. zumindest die gnadenlose, menschenverachtende und nicht minder grauenvoll terroristische Unterwerfung Afrikas bzw. Lateinamerikas ging, war von den ach so europäischen Werten und der hochstilisierten Aufgeklärtheit recht wenig zu sehen – damals waren hunderttausende, gewaltsam Getötete nicht Anlass für Selbstreflexion; im Namen europäischer Eroberungsfantasien waren alle Mittel recht und Massenmorde opportun; geschlachtet wurde nicht bloß das Vieh, vertrieben wurden nicht bloß die schlechte Laune und beim zahllosen Vergewaltigen von Frauen waren Zurückhaltung ein Fremdwort.

Die heutigen "Pseudo-Europäer" sollten also den Mund nicht so voll nehmen und Putin "ans Kreuz" nageln wollen, sondern eher darüber nachdenken, wie sie Russland davon überzeugen können, in absehbarer Zeit wieder ein Teil dessen zu werden, was es über Jahrhunderte hin gewesen ist: Ein europäischer Staat, in dessen Nachbarschaft es sich einigermaßen friedlich leben lässt; wer einen Feind nicht vernichten kann, wird sich mit ihm arrangieren müssen, selbst wenn es größere Teile der Ukraine "kostet" …

Chr. Brugger

28/02/2026