Im Westen nichts Neues
Der Titel dieses Beitrages ist vielleicht insofern irritierend, als er dem vorletzten Absatz des bekannten Antikriegsromans von Erich Maria Remarque entnommen wurde; dort ist zu lesen:
"Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Wesen sei nichts Neues zu melden".

Quelle: https://www.nachrichten.at/politik/aussenpolitik/explosionen-in-caracas-trump-soll-angriff-auf-venezuela-angeordnet-haben;art391,4123646
Angesichts dessen, was sich in der Nacht vom 02. auf den 03. Jänner im Norden Venezuela ereignet hat, erfährt dieser Satz allerdings eine andere Bedeutung; der militärische Angriff der US-Streitkräfte auf Venezuela ist der Beweis dafür, dass aus dem Westen, zumindest im Sinne der von James Monroe 1823 definierten "westlichen Hemisphäre", tatsächlich nichts Neues zu vermelden ist.
Der imperialistische Imperativ der Hegemonialmacht USA hat, wenn man das so sagen möchte, wieder einmal "zugeschlagen"; Donald Trump hat uns mit einem terroristischen Akt vor Augen geführt, was er unter "America First" versteht; wenn es um die "Interessen" der USA geht, ist dem US-Präsidenten jedes noch so abscheuliche, völkerrechtswidrige und kriegsverbrecherische Mittel recht; was andere, respektive die "internationale Gemeinschaft", davon halten ist Trump völlig einerlei; nun, Trump hat wenig Widerstand zu befürchten.

Quelle: https://orf.at/stories/3416060/
Die "Vereinten Nationen" (UN) erweisen sich wieder einmal als das, was ihnen seit Jahrzehnten nachgesagt wird – sie, die UNO, ist ein zahn- und bedeutungsloses Konglomerat, das von Politfunktionären repräsentiert wird, die scheinbar nicht einmal in der Lage sind, die "hauseigene" UN-Charta ("Satzung der Vereinten Nationen") sinnerfassend lesen bzw. verstehen zu können; dort stünde in Art. 2 Pkt. 4 das Folgende:
"Alle Mitglieder enthalten sich in ihren internationalen Beziehungen der Drohung mit Gewalt oder der Gewaltanwendung, die gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit irgendeines Staates gerichtet oder mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbar ist".

Quelle: https://www.facebook.com/photo/?fbid=1182660166552029&set=a.533482141469838
Wenn nun die "höchsten" Repräsentanten der UN, namentlich vor allem Antonio Guterres & Annalena Baerbock(!), meinen bzw. sich dahingehend äußern, "man sei zutiefst besorgt, dass die Regeln des Völkerrechts nicht respektiert wurden" und "eine friedliche, sichere und gerechte Welt für alle ist nur dann möglich, wenn die Rechtsstaatlichkeit siegt, statt dass Macht Recht gibt", dann muss unsereiner kein Prophet oder Spitzendiplomat sein um zu wissen, dass die völkerrechtswidrige und terroristische Agitation der USA ganz einfach "durchgewunken" und damit international anerkannt wird; "General" Antonio Guterres spricht zwar von einem "gefährlichen Präzedenzfall", fühlt sich aber nicht bemüßigt, wenigstens klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass damit das trump´sche Verhalten pardoniert und dem US-Präsidenten das Recht zugebilligt wird, in der "westlichen Hemisphäre", die von Monroe vor mehr als 200 Jahren einseitig definiert wurde, zu schalten und zu walten, wie es ihm beliebt.

Quelle: https://www.salzburg24.at/news/welt/eu-beraet-ueber-milliardenhilfe-fuer-die-ukraine-art-286009
Es hat den Anschein, als würden die Vereinten Nationen, einzig aus Furcht vor einer Vertragspartei, die morbiden Fantasien der US "Strategen" hinnehmen, um dem vermeintlichen "Weltfrieden" nicht endgültig abschwören zu müssen, von dem noch in der Präambel/Promulgationsklausel der Satzung die Rede ist.
Entweder nehmen A. Guterres, A. Baerbock, aber auch Volker Türk, der "Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte", Donald Trump bzw. dessen "geistige" Ziehväter Paul Wolfowitz und Zbigniew Brzeziński nicht ernst, oder sie haben noch immer nicht realisiert, was Trump vorhat.
Auch aus dem "europäischen Westen" fallen die Reaktionen nicht viel anders aus; EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gibt zum "Besten", die EU stehe an der Seite der Menschen in Venezuela und unterstütze jedenfalls einen friedlichen(!), demokratischen(!) Übergang; was allerdings soll an einem terroristischen Angriff noch friedlich sein?
Und wie kann man etwas als demokratisch bezeichnen, wenn die Regierung eines souveränen Staates gewaltsam entfernt und durch eine Satelliten-Diktatur aus einem "Drittstaat" ersetzt werden soll?

Quelle: https://www.spiegel.de/politik/ausland/benjamin-netanyahu-wladimir-putin-und-der-gefallene-soldat-zachary-baumel-a
Die EU-Außenbeauftragte, Kaja Kallas, wiederum "rief zur Zurückhaltung und Achtung des Völkerrechts auf" – kein Wort davon, dass das Völkerrecht von den USA längst mehrfach gebrochen wurde und Terrorismus mit "Zurückhaltung" nichts zu tun hat; Tatsache ist, dass "Oberbefehlshaber" Trump Krieg gegen ein Land führt und es wirtschaftlich "nutzen" will, das bereits mehrere Jahrhunderte von "westlichen" Imperialisten ausgebeutet und als Kolonie missbraucht wurde; auch das Haus Habsburg in Person von Karl V. als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Spanien war an der Historie Venezuelas zumindest insofern beteiligt, als er "Klein-Venedig" (die heutigen Bundesstaaten Falcón und Zulia) ganz einfach an die Welser, eine Handelsfamilie mit Sitz in Augsburg, verpfändet hat; nicht viel anderes dürfte Kaufmann ("Deal Maker") Trump vorhaben; bereits gestern hat er angekündigt, die Förderung von Erdöl in Venezuela in Zukunft US-amerikanischen Firmen zu überlassen.
Insofern sind die Reaktionen aus den ehemaligen "Kolonialmächten" Deutschland und Österreich durchaus beachtenswert; aus der deutschen Kanzlerpartei war nur zu vernehmen, dass das "Ende der Herrschaft von Staatschef Maduro ein Signal der Hoffnung für Venezuela sei"; Kanzler Merz konnte sich ob der "Komplexität" der Militäraktion noch zu keiner eigenen Meinung durchringen.

Quelle: https://www.fr.de/politik/stich-laesst-trotz-eiserner-freundschaft-warum-china-venezuela-im-konflikt-mit-trump-im-zr-94079390.html
Für die österreichische Außenministerin, Beate Meinl-Reisinger, sei, schreibt sie zumindest auf X(!), entscheidend, "eine weitere Eskalation zu verhindern und das Völkerrecht zu wahren" – "Österreich wird sich gemeinsam mit seinen EU-Partnern weiterhin für eine friedliche, demokratische Lösung in Venezuela auf Grundlage der Charta der Vereinten Nationen einsetzen".
Bei diesem "Posting" kann es sich nur um einen fatalen Irrtum oder schlechten Scherz handeln; kein Wort davon, wie man eine weitere Eskalation verhindern will; kein Satz dazu, dass die USA völkerrechtswidrig Krieg gegen ein anderes Land führen, den Regierungschef und dessen Gattin entführt haben und bereits in Aussicht gestellt wurde, dass Venezuela zumindest kurz- und mittelfristig von den USA regiert und verwaltet wird; die oberste "Diplomatin" unserer Landes hat bis heute nicht realisiert, dass der Inhalt der "Charta der Vereinten Nationen" nicht einmal das Papier wert ist, auf dem sie steht.
Die europäischen "Friedenstäubchen" gurren, wenn auch wenig überraschend, immer dann ziemlich leise, wenn es nicht gerade gegen den Erzfeind Putin bzw. Russland geht; sobald jemand im "Spiel" ist, auf den die Europäer ob ihrer eigenen Schwäche angewiesen oder wessen Gunst sie hilflos ausgeliefert sind, hält man sich ruhig, bedeckt und recht "vornehm" zurück.

Quelle: https://rnamedia.in/international/russia-china-global-south-condemn-us-capture-of-venezuela-world-reacts-with-alarm-amidst-calls-for-restraint/12575
Von der Leyen, Kallas & Co messen insofern Terror und Krieg nach ihrem jeweiligen Belieben und mit unterschiedlichen Maßstäben; im Falle des Kriegsverbrechers Netanjahu war das schon so, wie eben jetzt bei Trump; mit den Mächtigen dieser Welt oder solchen, denen man historisch bedingt nicht zu nahetreten will, legen sich die ach so friedliebenden VerteidigerInnen der europäischen "Werte" nicht an; in solch pikanten "Konstellationen" redet man Terror und Kriegsverbrechen lieber das Wort, als sich mit jenen auseinanderzusetzen, die die "europäischen Werte" mit Füßen treten – auch das ist, das ist leider die bittere Wahrheit, im Westen nichts Neues …
Man darf gespannt sein, wie unsere "holde Weiblichkeit" reagiert, wenn China Taiwan angreift, Trump über Kuba herfällt oder in Panama vorstellig wird; auch das wird man "durchgehen" lassen und sich nicht dagegen zur Wehr setzen; selbst einer Annexion Grönlands durch die USA stünden die Europäer wehrlos gegenüber; Europa ist politisch ein "Zwerg" und militärisch ein "Niemand" - im Wissen darüber haben Trump, Xi Jinping & Co leichtes Spiel ...

Quelle: https://www.fr.de/politik/us-militaer-stuermt-bei-angriff-venezuela-trump-nimmt-maduro-fest-doch-was-kommt-jetzt-zr-94107585.html
Entscheidend für den Angriff auf Venezuela war aber, darüber wurde bislang viel zu wenig gesprochen, dass die Monroe-Doktrin "vorsieht", dass ausländische Mächte in der westlichen bzw. US-amerikanischen Hemisphäre nichts verloren haben; der steigende Einfluss Russlands und Chinas in Südamerika ist Trump ein "Dorn im Auge" - daher war der Angriff auf Venezuela auch gegen Russland und vor allem gegen China gerichtet; Trump ist es zuzutrauen, dass er seinen Einfluss in Südamerika bis zu einem gewissen Grad gegen die Besitznahme Russlands in der Ukraine "abtauscht"; er wird zwar auf den US-amerikanischen Einfluss in Europa nicht gänzlich zugunsten Russlands verzichten; sofern er aber seine militärische Unterstützung in Europa weiter reduziert bzw. verteuert, wird es für die Europäer immer schwieriger sich selbst zu behaupten; und diese "erzwungene Emanzipation" wird Europa teuer bezahlen, ohne jedoch dadurch seinen Einfluss erhöhen oder die eigene Verhandlungsposition verbessern zu können.
Chr. Brugger
04/01/2025
