Olympischer Frieden?

14.01.2026

So richtig hat, wenn man den "sagenhaften" Berichten aus der Antike Glauben schenken kann, der "olympische Frieden" bereits vor mehr als 2500 Jahren nicht funktioniert; die Spartaner wurden wegen ihrer kriegerischen Tätigkeit bereits im 4. vorchristlichen Jahrhundert von den Spielen ausgeschlossen und mit einer Geldstrafe belegt; nachdem der letzte Kaiser des gesamten "Römischen Reiches", Theodosius I., die olympischen Spiele endgültig verboten hatte, vergingen exakt 1500 Jahre ehe Pierre de Coubertin 1894 die Idee olympischer Spiele gleichsam reanimierte und das Comité International Olympique, das heutige IOC, ins Leben rief; nach Ansicht des Franzosen Coubertin sollten nationale Egoismen überwunden und eine internationale Verständigung Einzug halten; die "Jugend der Welt" solle sich, so Coubertin, "lieber in sportlichen Wettkämpfen messen als auf dem Schlachtfeld bekriegen".

Quelle: https://olympictruce.org/en/colours-for-peace/

Damals wie heute wird der "olympischen Frieden" gebrochen; in Wahrheit ist dieser "Frieden" mittlerweile alle 2 Jahre aber bloß ein beliebter Anlass dafür, etwas zu fordern, was es in der Geschichte der olympischen Bewegung gar nie gegeben hat und vermutlich nie geben wird.

Die Idee, im Jahr 2000 in Olympia ein "Internationales Waffenstillstandszentrum" zu gründen bzw. dort zu etablieren, mag zwar durchaus lobenswert sein; allein, das übergeordnete Ziel dieses Zentrums, die "kontinuierliche Förderung einer Friedenskultur, die die Menschenrechte respektiert", scheint, heute mehr denn je, nicht erreichbar.

In den letzten Tagen waren vereinzelte Stimmen zu hören, das IOC solle, vor dem Hintergrund der militärischen Intervention der USA in Venezuela, deren Athleten, also u.a. Lindsay Vonn oder Mikaela Shiffrin, Chloe Kim, Jessie Diggins, das US-Eishockey Team rund um Auston Matthewes, Quinn Hughes & Co, von der Teilnahme an den unmittelbar bevorstehenden "Spielen" in Mailand & Cortina ausschließen.

Das IOC wird hingegen nicht müde, "die verbindende Kraft des Sports" zu bemühen und zu betonen, "dass bei den Sommerspielen 2024 Athleten aus allen 206 Nationalen Olympischen Komitees friedlich im olympischen Dorf zusammengelebt hätten"; "Olympia 2026 solle ebenfalls ein "Leuchtfeuer der Hoffnung" bleiben".

Eine Teilnahme der USA scheint damit, Völkerrecht & Menschenrechte hin oder her, gesichert; in der Zeit vom 06.02. – 22.02.2026 werden allerdings die "Waffen nicht schweigen"; das bedeutungslos gewordene "Völkerecht" wird auch in dieser Zeit nicht mehr wert sein wie davor oder danach und die Menschenrechte interessiert die Mehrheit der dem IOC angehörenden Nationen ohnedies nicht.

Was soll also, frage ich mich, das sinnlose bzw. weltfremde Bemühen um jenen, nur mythologisch zu rechtfertigenden, "Waffenstillstands- und Friedensgeist", den die "alten Griechen" als Ekecheiria bezeichnet haben?

Quelle: https://de.euronews.com/2024/06/20/gibt-es-ein-comeback-fur-ekecheiria-den-olympischen-waffenstillstand (Copyright Petros Giannakouris/AP)

Der "olympische Frieden" ist eine reine Illusion, etwas das es nie gegeben hat und nur noch in den Gedanken jener vorhanden ist, die sich beharrlich der Realität verweigern; wäre es nämlich anders und würde man tatsächlich ernst nehmen, was wir anlässlich der Eröffnung der olympischen Spiele in den nächsten Tagen von den Staatsoberhäuptern bzw. politischen Repräsentanten der Staaten dieser Welt zu hören bekommen werden, dann wäre es konsequent, beispielsweise einen Boykott der Fußball-WM 2026 in den Vereinigten Staaten von Amerika in Erwägung zu ziehen, um Donald Trump zu signalisieren, was man von seinen imperialistischen Avancen hält.

Ein Ausschluss US-amerikanischer Athleten von olympischen Winterspielen würde Trump vermutlich ohnedies kaum beeindrucken; völlig anders wäre es aber, würde man dem US-Präsidenten "seine" WM vermiesen und ihn weltweit desavouieren; ein chronischer Narzisst wie Trump ist nur mit seinen eigenen "Waffen" zur Raison zu bringen; jedes rational Argument wird ihn nicht zum Einlenken bewegen; wenn er allerdings in der öffentlichen Wahrnehmung sein Gesicht verlöre und der vom FIFA-Präsidenten Gianni Infantino ausgelobte "Friedenspreis" auf das reduziert würde, was er tatsächlich ist, ein, wie die FAZ richtig schreibt, "Imitat für Trumps Begierde", sähe es ganz anders aus.

Man stelle sich vor, europäische und südamerikanische Länder würden auf eine WM-Teilnahme in den USA, nicht hingegen in Mexiko und Kanada, verzichten; was sollte Trump dann tun?

Mit diesem Gedankenspiel sollten sich vor allem jene Politiker beschäftigen, die angesichts der von der "Trump-Administration" klar und deutlich zum Ausdruck gebrachten "Hemisphären-Spinnerei" nicht wissen, wie sie reagieren und worauf sie sich einlassen sollen; bei einem auch bloß im Raum stehenden WM-Boykott käme Trump im Inland massiv unter Druck; den wirtschaftlichen Schaden, den die USA bei einem Ausfall der WM hinzunehmen hätte, würde er politisch nur schwer überstehen – mit diesem friedlichen Druckmittel wäre daher zu arbeiten.

Chr. Brugger

14/01/2026