Präpotent, naiv & geschichtsvergessen

05.01.2026

Die Haltung der Europäer, respektive der Europäischen Union, zum Angriff der USA auf Venezuela und das dort angerichtete Massaker inkl. Entführung des Staatsoberhauptes & Regierungschefs spricht Bände; es ist schon reichlich naiv darauf zu vertrauen, Trump & Co würden gewährleisten, in Venezuela einen demokratischen Staat nach westlicher Prägung zu errichten; unsere Ministrantin für äußere Angelegenheiten, "Spitzendiplomatin" Beate Meinl-Reisinger, fordert die USA gar auf, "den Bürgern des lateinamerikanischen Landes einen Übergang zu einer Zukunft in Freiheit und Selbstbestimmung zu sichern".

Quelle: https://www.20minutes.fr/monde/etats-unis/4133400-20250113-combien-couterait-groenland-si-donald-trump-voulait-vraiment-acheter

Ob ein solches Ansinnen noch naiv ist oder, rein intellektuell, nicht doch zwei Stufen tiefer anzusiedeln wäre, kann jeder selbst beurteilen; es dürfte aber klar sein, dass Meinl-Reisinger die Realität verkennt und zudem auch noch ziemlich präpotent auftritt, wenn sie meint, man weine Maduro keine Träne nach – das bedeutet ja offensichtlich nichts anderes, als dass man den Terrorakt der USA guthieße und dem klaren Bruch des Völkerrechts das Wort redete.

Man muss sich in diesem Zusammenhang die Frage stellen, wie denn mit einer solchen politischen Gesinnung bzw. schäbigen Haltung die von der NEOS-Politikerin betriebene Kandidatur Österreichs für einen nicht ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vereinbar sein soll; dies auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die ständigen Mitglieder China, Russland und die USA den Ton angeben bzw. das tun, was sie wollen – ohne Rücksicht darauf, was Länder wie Österreich wollen. Besonders brisant ist es, dass 2026 u.a. Dänemark und Panama nicht ständige Mitglieder im Sicherheitsrat sein werden.

US-Präsident Donald Trump hat ja bereits mehrfach geäußert, Grönland, bisher ein autonomer Bestandteil des Königreiches Dänemark, künftig als Teil der USA zu beanspruchen – nötigenfalls auch mit Waffengewalt.

Quelle: https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/wettkampf-der-wasserstrassen-wie-der-panamakanal-dem-suezkanal-die-schiffe-stiehlt/13783012.html

Auch Panama ist in letzter Zeit ins Visier des Imperialisten Trump geraten; der US-Präsident hat längst vor seinem zweiten Amtsantritt einen militärischen Angriff auf Panama weder ausgeschlossen noch einen Zweifel daran gelassen, dass er die Wasserstraße, die den Nordatlantik mit dem Südpazifik verbindet, für sein Land beansprucht; die Torrijos-Carter-Verträge sind Trump ohnedies seit langem ein "Dorn im Auge"; es wäre daher keine große Überraschung, würden die USA nach 1989 wieder einmal aus einem "gerechten Grund" ("Operation Just Cause") in Panama-City vorstellig werden.

Was wäre also, kurz gesagt, wenn Trump seine abstrakte Gewissheit in Realität verwandelte?

Quelle: https://www.20minutes.fr/monde/etats-unis/4132555-20250108-donald-trump-etats-unis-canada-groenland-canal-panama-monde-vu-president-americain-carte

Die Frage wäre auch, wie denn dann unsere ach so grundrechts- und UN-Charta-orientierenten "Diplomatinnen" von der Leyen, Baerbock, Kallas, Meinl-Reisinger & Co reagieren würden; beim Panama-Kanal würde man vermutlich ein "Auge" zudrücken und Trump gewähren lassen; selbst bei einer Annexion Grönlands wären die "wertebasierten" Mittel aber ziemlich bescheiden und vor allem nichts wert; vielleicht würden dann unsere "Werteamazonen" endlich verstehen, dass Europa ohne Russland weder als Europa noch als "Macht" wahr- oder ernstgenommen wird und auf die geostrategischen Überlegungen der USA und Chinas weder Einfluss haben noch Druck ausüben kann.

Den "schlauen", "aufgeklärten" und "humanistischen" Europäern ist bis heute nicht in den Sinn gekommen, dass die USA und China Russland nur deshalb hofieren bzw. bei Laune halten, weil sie eine Annäherung oder Aussöhnung Russlands mit dem Rest von Europa mit allen Mitteln verhindern wollen; "hier liegt", das würde zumindest Cynthia Fleury schreiben, "die Bitterkeit begraben".

Quelle: https://www.blauenarzisse.de/sein-kampf-frantz-fanon-und-die-verdammten-dieser-erde/

Um das zu verstehen, müsste man nur seinen so lieb gewordenen und inflationär bemühten Ressentiments abschwören bzw. sich von ihnen lösen; vielleicht wäre es ob dessen hilfreich, bloß das Vorwort zu Frantz Fanons "Die Verdammten dieser Erde" zu lesen, um im Spiegel der eigenen europäischen Geschichte zu erkennen, was Jean-Paul Sartre meint, wenn er das europäische "Geschwätz von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Liebe, Ehre und Vaterland" anprangert; Nordamerika ist bei ihm ja ohnedies nur ein "übereuropäisches Monstrum" …

Es macht auch recht nachdenklich, wenn "das mit Reichtümern gemästete Europa" immer noch oder schon wieder darüber sinniert, u.a. Strategien für Afrika entwickeln zu wollen; der "fette und farblose" Kontinent will aber nur eine "jenseits der Meere" existierende "Rasse von Untermenschen dank unserer Hilfe in tausend Jahren unseren Status" erreichen lassen; wie verkommen oder geschichtsvergessen darf man sein, um solche Gedanken überhaupt zu hegen bzw. solche Strategien gar entwickeln zu wollen?

Quelle: https://www.philomag.de/artikel/cynthia-fleury-die-sublimierung-des-ressentiments-gelingt-uns-immer-weniger

So will man neuerdings u.a. auf fremdem, namentlich afrikanischem, Boden längst wertlos gewordene Werte verteidigen und gerne die eigene Unfähigkeit z.B. im Bereich des Asyl- und Fremdenwesens kaschieren, als ungewünschte "Gäste" wie Atom- oder Restmüll ganz einfach in "Drittstaaten" ausgelagert werden; "senil und arrogant, wie wir sind" glauben wir diese schamlose Lüge vermutlich sogar selbst.

Um weder Sartre noch Fanon, Fleury oder Le Bon lesen zu müssen würde es schon genügen, sich die beiden Reden Wladimir Putins vor dem Deutschen Bundestag (2001) und bei der Münchner Sicherheitskonferenz (2007) zu Gemüte zu führen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen; dann könnte man den eigenen Irrweg abkürzen und noch rechtzeitig umkehren.

Die restlich verbliebene Urteilskraft sollte nicht länger der Aufrechterhaltung eines Ressentiments, sondern dessen Dekonstruktion dienen …

Chr. Brugger

05/01/2026