Anspruch & Wirklichkeit
Politisch geht in diesem Land, das ist leider der objektive Befund, nicht sehr viel weiter; anstatt endlich die dringend notwendigen Reformen im Bereich der Bildung, des Sozial-, Pensions- und Gesundheitssystems, der Medien, der Universitäten, des Bundesstaates oder der Verwaltung in Angriff zu nehmen, dreht die türkis-rot-pinke Koalition immer nur an den kleinen "Schrauben" herum, beschäftigt sich mit Banalitäten, überflüssigen Orchideenthemen und hat am Ende des Tages nie etwas "Bahnbrechendes" vorzuweisen; wer gestern beispielsweise die Aussagen von Staatssekretär Pröll im Parlament gehört hat, kommt resümierend nicht umhin, einen Kleingeist ohne Visionen, im schicken Anzug zwar, aber ohne Fantasie & Esprit, gehört zu haben – Pröll verteidigte, in Vertretung Stockers, die "Arbeit der Regierung" – bemüht und dennoch, vielleicht gerade deswegen, erfolglos; "Bemühen" allein ist dem Volk einfach zu wenig; und es bräuchte endlich Taten und nicht länger Worthülsen bzw. Politfloskeln.

Quelle: https://www.oe24.at/a/die-grosse-umfrage-der-woche-mit-niki-fellner-900124412 (Screenshot)
Besonders führwitzig und dümmlich ist dabei die Beurteilung der eigenen Arbeit; in keinem, privatwirtschaftlich geführten, Unternehmen der Welt kämen die Mitarbeiter auf die Idee, ihre Arbeit, ihre Produktivität oder ihr "Bemühen" selbst zu beurteilen; in der Politik ist das ganz anders; Politiker haben es so an sich, ihre "Leistungen" immer selbst kommentieren und, welche Wunder, positiv zu beurteilen; was allerdings ihr Souverän davon hält, ihr Arbeit- und Auftragsgeber sozusagen, ist ihnen einerlei.
Die Divergenz zwischen eigenem, politischem Anspruch und der realen Beurteilung durch das Staatsvolk ist in Österreich dermaßen groß, dass sie unüberbrückbar erscheint.
Während die Politiker vermeinen, "jetzt das Richtige zu tun", vertritt das Volk mehrheitlich die Ansicht, es würde von unfähigen Menschen regiert, denen man nicht vertrauen kann – das ist seit Wochen und Monaten die Botschaft der Staatsbürger an "ihre" Volksvertreter.

Quelle: https://www.oe24.at/a/die-grosse-umfrage-der-woche-mit-niki-fellner-900124412 (Screenshot)
Was in jedem Unternehmen zum "Rauswurf" führte, scheint in der Politik als Auftrag zum "weiter, wie bisher" verstanden zu werden; unabhängig von der Meinung des Souveräns und losgelöst von den Vorstellungen der Staatsbürger tun heimische Politiker just so, als wäre ihr "Wirken & Tun" geradezu das "Beste aus 3 Welten".

Quelle: https://www.oe24.at/a/die-grosse-umfrage-der-woche-mit-niki-fellner-900124412 (Screenshot)
Vielleicht wäre es auch in der Politik indiziert, die laufende Beurteilung durch den "Arbeitgeber" zumindest ernst zu nehmen und sich damit, in einer Art Selbstreflexion, kritisch auseinanderzusetzen bzw. sogar selbst zu hinterfragen – wenn man allerdings Pröll & Co zuhört, kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, wir hätten es, im Sinne Max Webers, mit selbstsüchtig-eitlen "Emporkömmlingen des Augenblicks" zu tun, die nur von der und keinesfalls für die Politik leben.

Quelle: https://www.oe24.at/a/die-grosse-umfrage-der-woche-mit-niki-fellner-900124412 (Screenshot)
Ob sich das unter einem "Volkskanzler" Kickl ändern würde, kann man realistisch erst dann beurteilen, wenn es so weit ist; bis dahin werden wir uns, wohl oder übel bzw. kraft demokratischer Spielregeln, mit denjenigen abfinden müssen, die derzeit die Macht für sich beanspruchen; dadurch wird zwar nichts besser, dafür aber alles teurer – während die Bevölkerung zum Sparen gezwungen wird, leben die, ach so staatstragenden, Parteien bzw. deren Proponenten auf "großen Fuß" und genießen alle Privilegien, die das gute, alte "System" so zu bieten hat.
Chr. Brugger
16/10/2026
