Bist du deppert?
Als wäre das authentisch-legendäre "I wear narrisch" von Edi Finger bei der WM 1978 in Argentinien nicht bereits gut genug, sehen wir uns seit dem 28.06.2026 mit einer neuen, national-komparativen Form des jubelnden Gebrülls konfrontiert.
Nun könnte man ja für das Geplärre von Edi Finger beim, sportlich völlig bedeutungslosen, Spiel der Österreicher gegen Deutschland in Cordoba noch irgendwie Verständnis haben; immerhin war es, nach den Pleiten gegen die Niederlande (1:5) und Italien (0:1), ein Sieg gegen den "großen Nachbarn", den wir erst 23 Jahre zuvor wieder "losgeworden" sind.

Quelle: https://x.com/WomensGalleryy/status/2067108674997231913/photo/1 (Screenshot)
Das Gegröle Fingers hat immerhin dazu geführt, dass bei jedem noch so kleinen Erfolgserlebnis der österreichischen Nationalmannschaft der "Spirit" von 1978 heraufbeschwört und mit dem "I wear narrisch" konnotiert wurde; allein, solche Erfolgserlebnisse hat es seit 1978 kaum noch gegeben; man könnte mit den Fingern einer Hand problemlos aufzählen, was unsere nationalen Fußballer im letzten, rund halben Jahrhundert an Erfolgen "einspielen" konnten.
"Narrisch" hätte man allerdings werden können, wenn man sich an die schier zahllosen Pleiten der heimischen Nationalmannschaft erinnert, mit denen alle österreichischen Fußballfans in den letzten Jahrzehnten konfrontiert wurden.
Davon wird aber gottlob, dank des sinnbefreiten Gebrülls von Daniel Warmuth, nicht länger die Rede sein; ab sofort müssen wir nicht mehr "narrisch", sondern "deppert" werden (den Qualitätsunterscheid muss mir aber erst einmal jemand erklären).
Um das "Ganze" rein sportlich richtig einzuordnen: Mit seinem last-second-Abseitstor gegen Algerien hat Saša Kalajdžić Österreich in die Runde der 32(!) besten Nationalmannschaften bei der XXL-WM 2026 "geköpfelt" – was für ein sensationeller, nein, historischer Erfolg!
Wann waren wir bei einer Fußball-WM das letzte Mal unter den besten 32 Mannschaften und auf damit auf Augenhöhe mit Fußballgiganten wie dem Kongo, Senegal, Kap Verde, Ghana, dem Senegal, Paraguay oder Ecuador?

Quelle: https://kurier.at/sport/fussball/spanien-oesterreich-valencia-oefb-peter-stoeger-andreas-herzog/402833971
Chapeau, liebe ÖFB-Burschen, das habt ihr ganz toll hingebracht – es wurde bisher, trotz äußerst bescheidener Leistungen, zwar nur das anvisierte Minimalziel erreicht; mit seinem Geplärre ist dafür ORF-No-name Daniel Warmuth bereits ein paar Schritte weiter und mittlerweile gleichsam im Kommentatoren-Olymp angekommen.
Auf fußballerischer Eben werden Alaba, Gregoritsch, Seiwald, Laimer & Co am 02.07.2026 "nachlegen"; wenn wir bis dorthin nicht bereits "deppert" geworden sind, werden wir es nach dem Sieg gegen Spanien aber ganz sicher sein; wer "La Furia Roja" zähmt, der kann durchaus mit dem WM-Titel liebäugeln.
Das Problem wäre dann nur noch, dass der "depperte" ORF-ler bei diesem Highlight nicht mehr "seinen Senf dazugeben" darf; für den "Final Countdown" wurde nämlich Thomas König nominiert; die ganze Welt beschäftigt sich daher nur noch mit der Frage, was dem "King" zum entscheidenden Treffer von Marko Arnautović in der achtundachtzigsten Minute der Nachspielzeit im WM-Finale gegen die Insulaner aus Kap Verde spontan in den Sinn kommt bzw. über die Lippen flutschen wird.
In Anlehnung an einen Hit von Michael Barratt, alias Shakin' Stevens, aus dem 80er-Jahren könnte unser wortgewaltiger Gsiberger entweder "You drive me crazy" intonieren oder "Halleluja" von Leonard Cohen anstimmen; alternativ wäre auch noch "The winner takes it all" von Abba denkbar; oder Th. König tritt in die Fußstapfen seines genialen ORF-Kollegen-Duos und erklärt sich bzw. wahlweise auch uns, in Anlehnung an den Inhalt der legendären Wut-Pressekonferenz von Giovanni Trappatoni, kurzerhand für "Strunz-dumm".

Quelle: https://www.heute.at/s/auf-diesem-tv-sender-laeuft-oesterreich-gegen-spanien-120215491 (Screenshot)
Das würde zumindest alle jenen gerecht, die immer noch meinen, Rangnicks "Buben" könnten im "Konzert der Großen" mitspielen und gegen die Primgeiger von der iberischen Halbinsel "nur gewinnen".
Nein, liebe Fußballfreunde, es ist ganz anders: Wir könnten heute, ob das jemand hören oder lesen will ist einerlei, sogar verlieren; anders formuliert: Die Aussage "Wir können nur gewinnen" ist eine Standard-Floskel, die nur Verlierer verwenden …
Chr. Brugger
02/07/2026
