Das Neuwahlszenarium

14.10.2026

Der eine (Christian Stocker) kann es ja ganz offensichtlich nicht, der andere (Sebastian Kurz) will und, was er bereits eindrücklich bewiesen hat, kann es auch nicht wirklich; also müsste, im Fall der Fälle bzw. mangels vorhandener Alternativen, bei den "Türkisen" im Fall einer vorgezogenen Neuwahl, der "Notnagel" Wolfgang Hattmannsdorfer herhalten.

Die ÖVP wäre nämlich nicht länger die ÖVP und würde ihrer gut geübten Praxis nicht mehr gerecht, immer dann, wenn eine andere politische Partei angeschlagen ist, mit einer Neuwahl zu spekulieren und eine solche auch "vom Zaun" zu brechen.

Was Molterer, Schüssel und Kurz getan haben, könnte sich jetzt Stocker zum Vorbild nehmen; abwegig ist dieser Gedanke insofern nicht, als die ÖVP mit ihren Koalitionspartnern SPÖ & NEOS nichts mehr "gewinnen" kann; diese unsägliche Trinität war, so ehrlich sollte man wenigstens sein, von Anfang an zum Scheitern verurteilt; wer mit einem als "Dumpfbacke" Gehandelten und einer profilierungssüchtigen Flugmeilensammlerin koaliert muss sich nicht wundern, in der Gunst der Wähler keine Rolle mehr zu spielen; aber auch Stocker hat Beliebtheits- und Vertrauenswerte, für die er sich zu schämen hat.

Quelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=1135654058972092&set=a.217470670790440 (Screenshot)

Die bisherigen Ergebnisse der unter "Jetzt das Richtige tun" Firmierenden sind dermaßen mies, dass sie es zu dritt innerhalb von zwei Jahren nicht nur zustande gebracht haben, aufsummiert nur noch das Niveau der FPÖ zu erreichen; die türkis-rot-pinke "Sippschaft" stellt zudem jeden Tag aufs Neue unter Beweis, dass sie an ihren eigenen Ansprüchen scheitert.

Just jetzt die Reißleine zu ziehen, machte für die ÖVP durchaus Sinn; bei einem Verweilen in der Koalition mit SPÖ & NEOS gilt es als gewiss, dass die ÖVP nicht nur auf nationaler Ebene weiter an Terrain verliert – viel pikanter dürfte es allerdings auf "Landesebene" werden; in Oberösterreich, Niederösterreich, Tirol, Salzburg und Kärnten stehen in den kommenden 2 Jahren Landtagswahlen an; und dort drohen der ÖVP massive Verluste.

Es gilt als nahezu sicher, dass die nicht nur in Salzburg extrem unbeliebte Karoline Edtstadler ihren LH-Posten an Marlene Svazek (FPÖ) verliert; mit weiterem politischem Gegenwind aus Wien wackelt auch der Stuhl von OÖ-LH Thomas Stelzer und selbst in NÖ ist es nicht ausgeschlossen, dass Johanna Mikl-Leitner ihr "blaues Wunder" erlebt.

Im "heiligen Land" Tirol gehen zwar die Uhren anders; aber selbst dort wird der Führungsanspruch von Anton Mattle in Frage gestellt; wenn Georg Dornauer seine Ankündigungen wahrmacht, in Tirol mit einer eigenen Liste zu kandidieren und damit die SPÖ "vernichtet", könnte es also auch in der Heimat von Andreas Hofer gewaltig "rumpeln".

Quelle: https://kurier.at/politik/inland/spoe-andreas-babler-markus-marterbauer-eva-maria-holzleitner-philip-kucher/403196693

Verlöre die ÖVP, nach der Steiermark, ein oder zwei weitere "Bastionen", dann bliebe in der Lichtenfelsgasse 7, 1010 Wien, kein Stein mehr auf dem anderen; was vor einigen Jahren noch undenkbar war, könnte spätestens 2028 Realität sein – an Inn, Salzach, Mur und Donau regiert ebenso die FPÖ wie am Wörthersee.

Nun könnte einem das Schicksal politischer Parteien vollkommen einerlei sein; das große Problem daran ist nur, dass wir, kraft Verfassung, nur von solchen "führungslosen", ideologisch verkommenen, nepotistischen und auf den parteilichen Eigennutz bedachten Konglomeraten regiert werden können; die Parteien-Republik bzw. -Demokratie hat sich in das Gegenteil dessen verkehrt, was die Architekten der "Verfassung" ursprünglich bzw. eigentlich geplant hatten.

Es können sich daher nur noch die größten Ignoranten der Realität nicht erklären, warum das Staatsvolk diese Missstände nicht mehr hinnehmen will; dieses mit reichlich viel Steuergeld finanzierte Polittheater kann und will sich in diesem Land niemand mehr ansehen; das bisherige "System" hat sich mittlerweile selbst überholt und hat längst ausgedient.

Wenn es in diesem Land noch einen Funken Verstand für das politisch Relevante gibt, muss man zuallererst die Wurzel aller Übel sanieren; d.h. logischerweise, dass der Einfluss politischer Parteien minimiert und der Bundesstaat (Bund, Land, Gemeinden) als solcher auf das erforderliche Ausmaß "zurückgeschnitten" wird; dafür muss auch das verkommene Kammersystem grundlegend reformiert und auf ein nötiges Mindestmaß eingeschrumpft werden; es bedarf einer grundlegen Reform der ÖGK und einer Entflechtung staatsnaher Betriebe von der Politik; was sich dabei u.a. im ORF, der ASFINAG oder der ÖBAG bzw. den Landesenergieversorgern abspielt, ist ebenso eine Bankrotterklärung wie der unsägliche Umgang mit Förderungen für parteinahe Institutionen, Vereine, Akademien und allen sonstigen "Parteitrabanten"; wenn sich SPÖ, ÖVP oder NEOS z.B. den Luxus von "Nachwuchsaufzuchtanstalten" leisten wollen, können sie das aus Eigenem bezahlen, aber jedenfalls nicht länger mit Steuergeld.

Was sollen, so frage ich mich, ein Kopftuchverbot, ein Verbot der Muslim-Bruderschaft oder der Hamas bringen, eine Verlängerung der Intervalle für "Pickerl", ein "Dick-Pic-Verbot" oder sonstige kosmetische Reparaturen bzw. homöopathische Überarbeitungen bewirken, wenn das Staatsganze keine grundlegende Erneuerung erfährt?

Die türkis-rot-pinke Koalition ist in kleine Details und nur in sich selbst verliebt, sieht aber das große Ganze längst nicht mehr bzw. hat es noch nie gesehen – die eigentlichen Probleme des Landes bleiben unangetastet und ungelöst; anstatt ihre Zeit und Unbeliebtheit zu nutzen, ist man nur mit sich selbst und dem eigenen Fortkommen beschäftigt; das Land bleibt auf der Strecke, die Bevölkerung leidet und am Ende wird wieder niemand Verantwortung übernehmen …

Stocker wird in Polit-Pension gehen, für Babler wird es einen lukrativen Versorgungsposten geben und Meinl-Reisinger wird irgendwo bei der UN unterkommen – um das "Trio-Infernale" muss man sich also keine Sorgen machen, dafür aber um die Republik Österreich …

Auch das sind (leider) wir, die Republik, in der das Recht prinzipiell von uns ausgehen sollte – das Recht geht aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr von uns, sondern von, dem Nepotismus frönenden, Parteien aus, die nur darauf bedacht sind, sich am, mit Steuergeld gefüllten, Futtertrog der Republik zu bedienen bzw. diesen laufend leer zu fressen …

Chr. Brugger

14/10/2026