Holpriger Start von Gerhard Zeiler

28.09.2026

Der Start des mit "Vorschusslorbeeren" (Spitzen-Manager, Wirtschafts-Kompetenz etc.) bedachten Gerhard Zeiler in den "Machtkampf" um die SPÖ-Spitze ist bislang recht holprig verlaufen. Der ehemalige ORF-Chef hat in der gestrigen ZIB 2 bei Margit Laufer weder überzeugt noch mit klaren Ansagen geglänzt.

Zeilers TV-Auftritt war kein "Weckruf", keine Neupositionierung und schon gar keine "Kampfansage"; alles klang eher nach einem etwas moderat-modifizierten "weiter, wie bisher", dem Austausch des Etikettes ohne Änderung des Inhaltes.

An der Koalition wolle er festhalten, ebenso an einigen MinisterInnen; und darauf, was sich sonst mit und durch ihn ändern würde, blieb Zeiler eindeutige Aussagen schuldig.

Parteirevolutionen sähen jedenfalls anders aus; und auch aus der SPÖ selbst sind bis heute keine klaren Positionierungen für Zeiler zu vernehmen; einzig der ehemalige Landeshauptmann der Steiermark, Franz Voves (73), meint, Zeilers Kandidatur wäre "eine große, seltene Chance – nicht nur für die SPÖ" – von den "üblichen" Babler Kritikern (Max Lercher, Hans-Peter Doskozil, Daniel Fellner oder Sven Hergovich) ist für Zeiler weder etwas zu hören noch zu sehen; aus der Bundeshauptstadt kommt ebenso wenig und auch Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund oder "Jusos" schweigen.

Quelle: https://www.msn.com/de-at/nachrichten/other/nach-der-schockstarre-fliegen-im-spö-machtkampf-jetzt-die-fetzen/ar

Wenn die Kandidatur Zeilers nicht von vorneherein zum Rohrkrepierer verkommen soll, muss sich in den nächsten Tagen etwas "bewegen"; denn alles, was Zeiler bisher gesagt hat, wirkt unausgegoren, undurchdacht und unschlüssig – plan- und konzeptlos eben, willkürlich & irgendwie beliebig.

Der Markt-, Motiv- und Meinungsforscher Josef Kalina (68) sowie der Journalist, Autor und Moderator Peter Pelinka (74) werden vermutlich nicht ausreichen, um Zeiler (71) "Flügel" zu verleihen; wenn Zeiler nicht selbst bald "Fahrt" aufnimmt oder namhafte Fürsprecher rekrutieren kann, werden seine redlichen Bemühungen im Sand verlaufen und Babler parteiintern gestärkt erscheinen lassen – ein Szenario, das selbst in der SPÖ die Wenigsten wollen.

So oder so werden die nächsten Wochen und Monate in der SPÖ recht turbulent; so lange Zeiler "am Start" ist, wird keine Ruhe einkehren; und mit oder ohne Zeiler wird die SPÖ in den Umfragen jedenfalls nicht zulegen; ehe Babler nicht "Geschichte" ist, kann sich die SPÖ nicht "erholen".

Was bleibt wird am Ende die Frage sein, ob Zeiler, so er sich gegen Babler durchsetzen kann, den "Turnaround" schafft bzw. von welcher anderen Partei Stimmen zu holen wären; am ehesten vermutlich bei den NEOS und GRÜNEN; die ÖVP hat sich durch eigenes Unvermögen ja ohnedies bereits auf den "gusseisernen" Bestand reduziert und die FPÖ-Wähler spricht Zeiler erst gar nicht an; mit viel Glück kann Zeiler die ÖVP ein- und überholen; das dürfte ohnedies sein Ziel sein, um irgendwann als ernstzunehmender Kanzlerkandidat auftreten zu können; ein Koalition mit der FPÖ ist ausgeschlossen – dann bliebe nur die ÖVP als potenzieller "Partner"; bei einer Nationalratswahl mit Zeiler werden die NEOS das Parlament verlassen müssen – dann blieben als mögliche, lückenfüllende Mehrheitsbeschaffer nur noch die Grünen übrig.

Wenn das der Fall sein sollte, wird sich die FPÖ der absoluten Mehrheit aber schneller nähern, als das den anderen Parteien lieb sein dürfte.

Insofern kann Zeiler nicht viel gewinnen, dafür die SPÖ alles verlieren; ob es dieses Risiko wert ist, die ohnedies zersplitterte Genossenschaft weiter zu fragmentieren und in ihre Einzelteile zu zerlegen, können nur die SPÖ-Sympathisanten entscheiden …

Wer das heutige Interview des Zeiler Freundes und Befürworters Peter Pelinka im ORF gehört hat, weiß, worum es gehen soll: Zeiler will nur verhindern, dass Herbert Kickl Bundeskanzler wird – programmatisch sieht Pelinka wenig Handlungsbedarf; Pelinka findet lobende Worte für Babler, der in einer "anderen" Funktion für die SPÖ tätig bleiben könnte – sehr viel tollpatschiger und naiver geht es wohl kaum noch …

Chr. Brugger

28/09/2026