Realitätsverlust 2.0
Nicht nur Politiker scheinen unter dem Phänomen "Eskapismus", der Flucht aus der realen Welt, zu leiden; auch Sportler bzw. deren Trainer laufen Gefahr, aus völliger Verblendung die Hände vor den eigenen Augen nicht mehr wahrnehmen zu können.
Wer sich die Aussagen von ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick nach der Niederlage gegen Spanien angehört hat, muss zur Ansicht gelangen, auch der Deutsche verweigere sich der bitteren Realität; nach dem vorzeitigen WM-Aus meinte Rangnick: "Ich glaube aber, dass diese Mannschaft gegen nahezu jeden anderen Gegner auf Augenhöhe gewesen wäre und gute Chancen gehabt hätte, weiterzukommen".

Quelle: https://inside.fifa.com/de/fifa-world-ranking/men (Screenshot)
Diese "Ansage" unsere Fußballphilosophen ist reine Kaffeesudleserei der Extraklasse – rein konjunktivisch hätte Österreich demnach gegen alle anderen Temas bestehen und gewinnen können; ja, ja, Herr Rangnick, wenn meine Tante ein "Zumpferl" hätte, wäre es auch mein Onkel …
Jeder kann sich die "eigene" Realität so schön zurechtreden, dass am Ende niemand mehr darüber nachdenkt, was tatsächlich "Sache" ist.
Im Falle des ÖFB-Teams liegen die Fakten aber am Tisch: Mit oder ohne Rangnick ist die Leistungsstärke dieser Mannschaft genau bzw. höchstens dort anzusiedeln, wo sie sich in der FIFA-Weltrangliste befindet – auf Platz 23; insofern ist es klar, dass wir in der Runde der besten 16 Teams, also dem Achtelfinale dieser XXL-WM, nichts mehr verloren haben und dort eben auch nicht mehr in Erscheinung treten dürfen.

Quelle: https://inside.fifa.com/de/fifa-world-ranking/men (Screenshot)
Die, ob der ersten WM-Teilnahme seit 28 Jahren und im Hochschwang der Gefühle, künstlich geschürte Euphorie ist nach der Pleite gegen Spanien allerdings ebenso schnell wieder der Ernüchterung gewichen; wir haben erkennen und feststellen müssen, dass wir uns maximal auf Augenhöhe mit Kap Verde, Ecuador, dem Kongo, Australien, Ghana oder Algeriern befinden und uns mit Brasilien, Norwegen, Portugal oder der Schweiz und Kolumbien nicht vergleichen sollten; von anderen Nationen wie Argentinien, England, Frankreich sowie Spanien erst gar nicht zu reden.
Wir sind genau so gut, wie wir bei der WM gegen Jordanien, Algerien und Argentinien bzw. Spanien gespielt haben – um keinen Deut besser oder schlechter; ein Sieg gegen Jordanien, das jedes Spiel bei dieser WM klar verloren hat, ein mehr als schmeichelhaftes Unentschieden gegen Algerien und zwei glasklare Niederlagen gegen Argentinien und Spanien, bei denen wir nicht den Funken einer Chance hatten – das ist zwar kein "Ruhmesblatt", aber auch nicht so schlecht, dass man sich als Österreicher schämen müsste …
Chr. Brugger
06/07/2026
