Si vis pacem para bellum

27.10.2026

Rund um den Nationalfeiertag wird, bevorzugterweise bei Angelobungen, von Politikern oder "Militärs" immer wieder das martialische, von Platon initiierte und von Cicero in seiner 7. philippinischen Rede erwähnte "Si vis pacem para bellum" bemüht; wer den Frieden will, müsse für den Krieg gerüstet sein.

Vor dem Hintergrund der eklatanten militärischen Schwäche Österreichs samt damit einhergehender Ohnmacht in allen verteidigungsrelevanten bzw. kriegerischen Belangen klingt Ciceros Sentenz wie Hohn – sehr viel überheblicher oder dümmlicher könnte man zu potenziellen Soldaten gar nicht sprechen, zumal diese ja einem neutralen Staate dienen sollten.

Übrigens: Der berühmteste Redner des alten Rom, zugleich Philosoph, Anwalt, Politiker & Schriftsteller, hat in seiner 7. Philippica ja eben nicht den Frieden, sondern ausdrücklich den Krieg (gegen Antonius) gefordert.

Quelle: https://wien.orf.at/stories/3376784/

Alle heimischen Verteidigungs- bzw. Militär-"Experten", die man bei uns ja, recht hochtrabend, sogar "Strategen" nennt, mögen zwar drittklassige Theoretiker sein, haben allerdings von kriegersicher Praxis in etwa so viel Ahnung wie die Jungfrau Maria vom Geschlechtsverkehr.

Insofern ist es auch keine Überraschung, dass wir, speziell in den letzten Jahren, immer nur von "hybrider Kriegsführung" durch die bösen Russen hören, von latenter Kriegsgefahr und umfassenden Bedrohungen; manche meinen ja sogar, Putin würde den Westen angreifen und sich Europa zur Gänze "einverleiben" wollen.

Es gibt für solche Szenarien zwar nicht den geringsten Anlass; dennoch, oder gerade deshalb, spielen "Strategen" und Politiker auf dieser perfiden "Kriegsklaviatur"; um sich wichtig erscheinen zu lassen bzw. ihr Scheitern in allen Belangen mit "Kriegs- und Gefahrengeheul" zu übertünchen.

Jämmerliches Beteuern und Befeuern drohenden Unheils, das jedweder Substanz entbehrt, ist der Politiker schwächstes Argument, sich das längst verloren gegangene Vertrauen der Bevölkerung wieder erschleichen zu wollen; auf widerwärtige Art, mit perfider Akribie und unter ständigem Verweis auf obskur-imaginäre und krankhaften Gehirnen entspringende Gefahren.

Die Militär- und Verteidigungsgeschichte der 2. Republik liest sich ja ohnedies wie ein Brief an das Christkind und "firmiert" unter dem "Prinzip Hoffnung" – man hofft darauf, dass, wie in den letzten 70 Jahren, nichts passiert; verteidigen könnten wir uns ohnedies nicht.

Das heimische "Bundesheer" ist keine "Kriegsmaschine" und erst recht nicht zur umfassenden Verteidigung des Landes in der Lage; unser "Heer" samt "Kader" kann im besten Fall mit sich selbst "Räuber & Gendarm" spielen, lallend absurde Befehle erteilen oder bei diversen Gelegenheiten unter Beweis stellen, dass die zahllosen Militärmusikkapellen die richtigen Töne treffen – bei der Blasmusik sind wir zumindest ganz gut aufgestellt.

Damit kann man zwar die zweifelsfrei vorhandenen Defizite in der Luft- oder Drohnen- bzw. Bodenabwehr nicht substituieren, aber an den fiktiven Gräbern gefallener Soldaten wenigstens "Der gute Kamerad" intonieren – immerhin ein schwacher Trost.

Vielleicht wäre es daher klüger, unseren "Soldaten" beizubringen, wie man bei Umweltkatastrophen eine Schaufel richtig in der Hand hält, schweres Gerät bedient und wenigstens in der Lage ist, Seilwinden, Motorsägen oder Schneefräsen verletzungsfrei zu bedienen.

Quelle: https://wien.orf.at/stories/3376784/

Damit wäre dem Land mehr geholfen als sich in Rambo-Manier durch das Gelände zu pirschen, mit Platzpatronen herumzuballern oder in diversen Kantinen dieses Landes seine Trinkfestigkeit unter Beweis zu stellen.

Anstatt sich laufend nur selbst zu verwalten, sollte man zumindest in den Zivil- und Katastrophenschutz investieren, anstelle von wert- und völlig bedeutungslosen Panzern Transporthubschrauber kaufen und nicht Milliarden in "Kriegsspielzeug" wie Abfangjäger, sondern dafür in den Schutz der kritischen Infrastruktur investieren.

Angelobungen am Heldenplatz (wie am gestrigen Nationalfeiertag) sind reine Folkloreveranstaltungen, die von Politikern nur dafür missbraucht werden, ihre absurden Fantasien auszuleben bzw. unters Volk zu bringen.

Chr. Brugger

27/10/2026