Taktik für die „Wüstenfüchse

09.06.2026

Wer in den letzten Tagen den medialen Hype um unsere Fußball-Herren, die sich nach 28 Jahren mit "Ach & Krach" wieder für eine WM qualifizieren konnten, mitverfolgt hat, kommt aus dem Staunen kaum heraus; vor allem im Staatsfunkt ORF scheint man der Ansicht zu sein, Österreich zählte zum engeren Kreis der Favoriten.

Nun kommt es dem Team von Ralf Rangnick durchaus zu pass, dass es die dubios-morbide anmutende FIFA-Infantilo-Gigantomanie gleich 48 Nationen ermöglicht, bei der diesjährigen WM in den USA, Mexiko & Kanada aufzuspielen; erleichternd kommt hinzu, dass sich sogar noch die acht besten Gruppendritten für das Sechzehntelfinale qualifizieren; es gliche insofern schon einer sportlichen Bankrotterklärung, würde das heimische Team seine eigene Gruppenphase nicht überstehen.

Mit einem klaren Auftaktsieg gegen des fußballerische "Niemandsland" des haschemitischen Königreichs Jordanien, das sich zum ersten Mal in der WM-Geschichte für eine Endrunde qualifizieren konnte, erreichte die ÖFB-Elf mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits die K.o.-Phase dieser auf insgesamt 104 Spiele aufgeblähten WM; den Spielen gegen Algerien und Titelverteidiger Argentinien käme dann allenfalls noch statistische Bedeutung zu.

Quelle: https://footballfoyer.com/2018/01/30/the-return-of-la-furia-roja/

Mit einem Blick auf die bereits feststehenden "Paarungen" der K.o.-Phase sollte jedenfalls vermieden werden, dass wir als Gruppenzweiter auf den Gewinner der Gruppe H treffen – das dürften vermutlich die Spanier sein, die als absoluter Top-Favorit gehandelt werden und, da muss man sich nichts vormachen, wesentlich höher einzuschätzen sind als die Österreicher.

Wenn wir allerdings "unsere" Gruppe gewinnen, bekämen wir es voraussichtlich mit Uruguay zu tun – einer durchaus unangenehmen, aber "machbaren" Konkurrenz; als Gruppendritter ginge es, wenn in den anderen Gruppen alles "glatt" läuft, gegen England, Belgien, die Schweiz oder die Türkei – all das wären keine unbesiegbaren Gegner.

Vor der Hintergrund dieses Szenarios und eingedenk dessen, dass auch Argentinien als Titelverteidiger nicht schon im Sechzehntelfinale gegen einen der Titelanwärter spielen will, kommt dem letzten Gruppenspiel gegen Algerien "strategische" Bedeutung zu; wenn wir die Gruppe zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gewinnen können (ein Sieg Argentinien gegen Jordanien dürfte klar sein) und wir auch bei einer Niederlage gegen Algerien zu den besten 8 Gruppendritten zählen, sollten wir das Spiel gegen die von Vladimir Petković betreuten "Wüstenfüchse" der Chance opfern, nicht gegen die "La Furia Roja" antreten zu müssen.

Wenn es ein Land gibt, das Erfahrung mit WM-Spielen hat, von denen das sportliche Schicksal Algerien abhängt, ist es ohnedies Österreich; wer erinnert sich nicht gerne an die taktische Meisterleistung des ÖFB-Teams bei der WM 1982, die als "Schande von Gijon" Eingang in die Geschichtsbücher gefunden hat?

Quelle: https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=7qcciefP3bk (Screenshot)

Warum sollen wir daher den "Wüstenfüchsen" dieses Mal nicht ein "trojanisches Pferd" im Gewande geschenkter Punkte zuteilwerden lassen, damit sie spätestens tags darauf feststellen können, sich ein Eigentor geschossen zu haben.

Sofern aber auch die Algerier so denken wie wir, dann könnte das Spiel im Kansas-City-Stadion fußballerisch ein wahrer "Leckerbissen" werden; es stünden sich zwei Mannschaften gegenüber, die weder gewinnen wollen noch müssen; so eine Konstellation gibt es zwar äußerst selten, am 27. Juni 2026 wäre es aber denkbar; denn bei den Spielen der Gruppe J mit Argentinien, Algerien, Österreich und Jordanien handelt es sich jedenfalls, wie es der Zufall so will, um die zeitlich letzten Vorrundenbegegnungen – die Endresultate in allen anderen Gruppen stehen schon fest, wenn im Arrowhead Stadium die österreichische Bundehymne erklingt … na, denn

Chr. Brugger

09/06/2026